„Ich will ein Vorbild für mein Kind sein, dass er nicht zu einem Sklaven aufwächst, dass er ein Mensch mit Rückgrat wird, dass er eine eigene Meinung hat und die auch vertritt.“

 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und ich habe es mir in der Coronazeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie zum Thema Maske tragen in der Schule zu interviewen, ihre Gedanken und Gefühle zu erfragen. Aber ich interviewe auch Eltern, Lehrer, Psychologen, Ärzte, usw., die mir vom Alltag, von der „neuen Normalität“ berichten. 

 

Heute habe ich die liebe Anjela bei mir. Ihr Sohn ist einige Tage ohne Maske zur Schule gegangen. Das wurde natürlich nicht akzeptiert. Anjela hat dann mehrere Gespräche mit dem Rektor geführt. Hat u.a. Dokumente von den Klagepaten eingereicht, abgegeben. 

 

Anjela, dann bist du mit deinem Sohn zur Ärztin gegangen und diese Ärztin hat was ganz Bestimmtes zu euch gesagt. Erst mal herzlich willkommen.

 

Anjela: Danke.

 

Maurice: Magst du mal kurz erzählen, was die Ärztin euch gesagt hat?

 

Anjela: Ja, ich bin davon ausgegangen, dass mein Sohn problemlos eine Befreiung bekommt, weil ich eine habe und er die gleiche Diagnose hat. Ich bin mit ihm zu unserer Kinderärztin gegangen und sie reagierte ganz anders als ich erwartet habe. 

 

Sie sagte zu meinem Sohn: „Du musst unbedingt eine Maske tragen, sonst kannst du deine Eltern anstecken und sie könnten sterben.“. Genau das, was im Strategiepapier drin steht. Ich war erst mal geschockt. Mein Sohn auch. Das habe ich nicht erwartet, weil ich die Ärztin schon länger kenne, seit der Geburt meines Sohnes. 

 

Dann habe ich alle Befunde von meinem Sohn geholt und bin zu meinem Hausarzt mit ihm gegangen und da war es dann kein Problem. Der hat uns die Befreiung ausgestellt und die habe ich dann in der Schule von meinem Sohn abgegeben.

 

Maurice: Ganz kurz noch: Wie alt ist dein Sohn gerade?

 

Anjela: Mein Sohn ist 11 und er geht in die 5. Klasse der Realschule.

 

Und daraufhin habe ich ein Schreiben vom Schulleiter bekommen mit diskriminierenden Regeln, u.a., - was mich total geschockt hat – dass mein Sohn sich selber rechtfertigen muss vor anderen Schülern oder auch Lehrern und, dass er früher in der Schule da sein muss und auf einem bestimmten Platz warten, bis er von einer Aufsicht abgeholt wird, was ich auf für … 

 

Er fühlt sich wirklich unwohl. Das ist eine Schikane. Er darf auch erst dann raus, wenn alle schon rausgegangen sind nach dem Unterricht. Er muss alleine Pause machen auf einem bestimmten Platz in der Aula, als einziges Kind. 

 

Maurice: Also d.h., er darf nicht raus und muss in der Aula bleiben oder darf er auch raus?

 

Anjela: Er muss in der Aula bleiben.

 

Maurice: Das bedeutet, dein Sohn darf nicht nach draußen in die frische Luft in die Pause gehen?

 

Anjela: Nein, er hat es mir auch so beschrieben: Die anderen Kinder können sich in der Cafeteria Essen holen und alle gucken ihn in der Warteschlange stehend an, während er ganz alleine da sitzt. Da fühlt er sich total unwohl dabei, weil er sich beobachtet fühlt und als Außenseiter.

 

Maurice: Ja.

 

Anjela: Daraufhin habe ich dann auch ein Schreiben an den Schulleiter geschickt, dass ich ihn auffordere, meinen Sohn nicht mehr zu diskriminieren, weil das geht nicht und es ist auch seine Aufgabe, dass sich alle Schüler, inklusive mein Sohn, sich wohl fühlen.

 

Maurice: Ja, da kommt wohl noch ein bisschen was. Im Prinzip reicht das schon völlig aus. Unfassbar was zur Zeit passiert, wie mit den Kindern umgegangen wird. Noch mal kurz zurückgesprungen zur Geschichte mit der Ärztin: Ich meine, jetzt ist dein Sohn 11. Du bist eine aufgeweckte, aufgeklärte Person, bist nicht auf den Kopf gefallen und hast das Wissen an deinen Sohn weitergegeben, so dass, glaube ich, es ihm nicht ganz so viel ausgemacht hat, was die Ärztin zu ihm sagte. 

 

Aber dennoch ist es ein echt starkes Stück und wenn man sich vorstellt, da würde ein 5-8-jähriges Kind sitzen, das logischerweise weniger Wissen hat als ein 11-12-jähriges, dann macht das was mit einem Kind und wenn man dann noch berücksichtigt, dass das Kind vielleicht nicht so aufgeklärt ist, dann macht es noch mehr und ich finde es unglaublich, was Ärzte sich da herausnehmen und erlauben.

Gibt es da noch mehrere Dinge, die in der Schule passieren. Ich sagte schon, das reicht völlig aus, aber ich glaube, da gibt es noch ein paar Sachen.

 

Anjela: Ja, ich kann auch Fälle beschreiben, die ich auch nicht so gut finde, z. B. am Anfang, bevor ich diese Regeln gekriegt habe, durfte er noch in der Pause draußen sitzen und essen und er erzählte mir, dass er gegessen hat, aber in dem Moment, als die Dose neben ihm stand – wahrscheinlich hatte er nichts in der Hand gehabt – da kam die Lehrerin angerannt und hat ihn aufgefordert, sofort die Maske anzuziehen, d.h. die Kinder können sich nicht mal einfach nur entspannen und mal was essen. Das finde ich nicht ok. 

 

Es gab einen Fall, wo sein Freund – er geht auf eine andere Schule, aber sie fahren immer im Bus zusammen – der hat erzählt, als die Maske noch nur in der Pause getragen werden musste, hatte er vergessen die Maske anzuziehen oder sie war unter der Nase – ich weiß nicht genau – aber die Lehrerin hat ihn bestraft, indem er die Maske länger tragen musste. 

 

Vor den Herbstferien durften die Kinder abwechselnd einzeln in den Flur, um die Maske runterzumachen, um bisschen Luft zu schnappen, keine Ahnung. Ab den Herbstferien wurde das nicht mehr gemacht. Da denke ich mir, dass die Lehrer sich schon Gedanken machen, dass es nicht so harmlos ist, den ganzen Tag die Maske tragen zu müssen.

 

Maurice: Also das Kind wurde bestraft, indem es die Maske länger tragen musste.

 

Anjela: Genau, das ist eine Strafe: Maske tragen.

 

Maurice: Ja.

 

Anjela: Es ist auch so: Ich bin alles andere als mutig und ich muss mich auch immer überwinden, wenn ich mit dem Lehrer oder mit dem Schulleiter mich unterhalten muss. Aber ich habe mir auch überlegt, ob ich meinem Sohn zuviel zugemutet habe, dass er da jetzt ohne Maske ist, aber diskriminiert wird. Da denke ich mir, dass es nicht anders geht, weil ich will nicht, dass mein Sohn in so einer Gesellschaft aufwächst – ohne Gerechtigkeit.

 

Maurice: Also, dass du nicht mutig bist, das stimmt nicht, sonst würdest du dich heute nicht mit mir im Interview unterhalten. Also ich empfinde dich als sehr mutig. 

 

Und zu der Sache mit deinem Sohn: Viele Eltern haben Angst, dass sie ihren Kindern zuviel zumuten und lassen ihr Kind dann lieber die Maske tragen, aus Angst davor, dass das Kind in der Schule ausgegrenzt wird und das einen Schaden generiert. 

 

Ich rate jedem Elternteil genau das Andere zu tun: Die Maske nicht aufzusetzen und immer wieder mit dem Kind zu sprechen. Es gibt natürlich Ausnahmen, das ist klar. Man kann nie eine pauschale Aussage treffen, aber es ist unglaublich wichtig, dass wir mit den Kindern zu Hause sprechen, regelmäßig Gedanken und Gefühle erfragen, fragen, was in der Schule vorgefallen ist. 

 

Das erklären und den Kindern klarmachen, dass man aus jeder Situation das Negative sehen kann, aber auch das Positive und wir sollten aus jeder Situation das Positive herausziehen und Wachstum generieren, weil Leben bedeutet Entwicklung und so kann ich jede Situation betrachten und kann überlegen: Ok, was gibt mir die Situation gerade? Was habe ich gelernt? Was sind die Aufgaben? Was kann ich für mich mitnehmen?

 

Anjela: Genau, das Positive. Ich habe mich mal mit einer Ergotherapeutin unterhalten, die sagte: „Das Schulsystem ist so schlecht und das Einzige was wir als Eltern oder sie machen können, ist, unseren Kindern zu helfen diese Schulzeit mit möglichst wenig Schaden zu überstehen.“. 

 

Und vielleicht ist das jetzt unsere Möglichkeit, das Schulsystem zu ändern, wo alle Kinder gleich behandelt werden, zu Klonen erzogen werden. Was mich auch motiviert: Ich will ein Vorbild für mein Kind sein, dass er nicht zu einem Sklaven aufwächst, dass er ein Mensch mit Rückgrat wird, dass er eine eigene Meinung hat und die auch vertritt.

 

Maurice: Ja, dass er zu einem Individuum heranwächst, was wir alle sind.

 

Anjela: Weil, wenn ich das jetzt alles so hinnehme, dann macht er das später auch.

 

Maurice: Ja. Ich finde, du bist ein großartiges Vorbild für deinen Sohn. Ich habe es in vielen Videos schon gesagt: Was alle Eltern jetzt sehen und verstehen müssen, ist, dass sie ihr Kind zu Hause stark machen und bilden. Rechnen und Schreiben lernen die Kinder in der Schule, aber alles andere müssen wir zu Hause machen. 

 

Den Kindern beibringen was Glück bedeutet, was der Sinn des Lebens ist und wie man ihn findet. Dass man die Talente der Kinder fördert, dass man den Kinder beibringt, den Fokus auf die Stärken und nicht auf die Schwächen zu legen. Dass man den Kindern beibringt, dass man nicht alles können muss. 

 

Das alles wird in der Schule nicht getan und die Voraussetzung dafür ist natürlich, wenn du das deinem Kind beibringen willst, dann musst du das selbst wissen und können, sonst kannst du es ihm nicht beibringen. Das bedeutet, Eltern müssen sich zu Hause auf jeden Fall bilden, sich gute Bücher kaufen, sich einlesen, sich in Gemeinschaften zusammentun, Austauschen, Coachings nehmen bei guten Menschen, Seminare besuchen, usw.. 

 

Das ist unsere Aufgabe und das alles habe ich auch schon so oft gesagt: Beginnt mit der Eigenverantwortung. Wir müssen jetzt wieder lernen Eigenverantwortung zu übernehmen und dementsprechend zu handeln. Dann können wir auch was ändern und dann müssen wir uns unbedingt zusammenschließen, denn es gibt immer vereinzelte Personen, die etwas am Schulsystem verändern wollen – Danke, dass es die gibt und ich finde es extrem wichtig, dass sich dort was ändert. 

 

Nur, alle anderen verlassen sich immer auf die 3-4 Personen und so funktioniert das leider nicht. Wir müssen uns alle zusammenschließen, alle gemeinsam aufstehen und etwas tun und dann haben wir die Chance etwas zu verändern und zwar in kürzester Zeit und nicht erst in 5-20 Jahren. 

 

Anjela, du hast gerade noch von den Regeln gesprochen, die dir zugeschickt wurden. Dürfen wir die unter dem Video mit veröffentlichen? 

 

Anjela: Ja.

 

Maurice: Super. Prima.

 

Anjela, hast du noch etwas auf dem Herzen? Oder möchtest du vielleicht noch ein Wort an Kinder, Jugendliche oder auch an Eltern richten, die das Video sehen?

 

Anjela: Ja, an Eltern auf jeden Fall. Wie gesagt, ich habe auch manchmal Angst und Sorge, dass mein Kind, dadurch, dass ich jetzt was gegen die Maßnahmen zum Schulleiter oder zu den Lehrern sage, dass sich die Beziehung zu meinem Kind verschlechtert, dass er schlechter behandelt wird. 

Aber meine größere Sorge ist, dass es noch schlimmer wird, wenn ich nichts mache. 

 

Ich würde auch gerne was zu den Schulleitern und Lehrern sagen, die sich vielleicht auch nicht trauen und gegen die Maßnahmen sind. Ich erwarte ja auch nicht vom Schulleiter, dass er von heute auf morgen diese Maßnahmen beendet, dass die Kinder von heute auf morgen keine Masken mehr tragen müssen in der Schule. 

 

Aber, dass er auch kleine Schritte macht, dass er vielleicht das Schulamt anschreibt und fragt „Warum gibt es für Erwachsene Vorschriften beim Tragen der Maske, aber für Kinder nicht?“. Dass er vielleicht das Gesundheitsamt anschreibt, was man beachten muss. Also, dass sich immer mehr Menschen Gedanken machen und, dass sich langsam was bewegt. 

 

Maurice: Ja, das finde ich ganz toll. Ich stimme dir zu 100 % zu und da sind wir wieder bei der Eigenverantwortung, dass jeder sich informiert und wirklich auch mal kritisch hinterfragt und dementsprechend dann auch handelt.

 

Liebe Anjela, ganz wichtig vielleicht auch noch mal: Wir wollen hier auf keinen Fall alle Lehrer und Schulleiter schlecht machen und über einen Kamm scheren. Es gibt wirklich ganz tolle Lehrer und Schulleiter. Ich habe in den vergangenen 11 Jahren, in denen ich an diversen Schulen unterwegs war, ganz viele großartige Leute kennengelernt. 

 

Aber ich finde es unglaublich wichtig, dass wir auf Missstände aufmerksam machen und deswegen führen wir auch heute hier das Interview und die anderen Interviews und ich finde, dass das auch wichtig ist, dass das an die Öffentlichkeit getragen wird. 

 

Liebe Anjela, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du heute den Mut gefunden hast, dir die Zeit genommen hast hier mit mir zu sprechen. 

 

Anjela: Danke dir.

 

Maurice: Sehr gerne. Ich finde, das ist ein wichtiger Beitrag. Du wirst weitere rechtliche Schritte einleiten, hast du schon gesagt. Das finde ich toll. Du bist ein Vorbild für ganz viele andere Eltern und ich glaube, dass du auch mit diesem Interview hier ganz vielen Eltern Mut machst, dass man sich nicht einfach alles gefallen lässt, stillschweigend hinnimmt, Befehle empfängt, sondern, dass man für Gerechtigkeit ist und dementsprechend etwas tut. Liebe Anjela, vielen Dank noch mal.

 

Anjela: Danke dir auch

 

Maurice: Sehr gern, alles Gute dir.

 

Anjela: … für deine Arbeit.

 

Maurice: Sehr gern.