"Ich finde es einfach bisschen lächerlich, dass die Leute es einfach nicht verstehen. Warum sollte man sich selbst schaden mit etwas, das bewiesenermaßen nichts bringt? 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und ich habe es mir in der Coronazeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie zum Thema Maske tragen in der Schule zu interviewen und ihre Gedanken und Gefühle zu erfragen. 

 

Heute habe ich den 12-jährigen Nick bei mir. Herzlich willkommen lieber Nick.

 

Nick: Hi! Hallo!

 

Maurice: Schön, dass du da bist lieber Nick. Die 1. Frage, die ich dir gern stellen würde, ist: 

Wann musst du die Maske in der Schule tragen?

 

Nick: Ich muss sie eigentlich gar nicht tragen, weil ich ein Maskenattest habe. Ich habe Asthma, sogar mein ältester Bruder und deswegen ist es oft sehr schwer für mich Maske zu tragen.

 

Maurice: Mhm, das verstehe ich. Schön, dass du eine Befreiung hast. Hast du denn zu Beginn einmal die Maske getragen oder noch nie?

 

Nick: In der Schule noch nicht, aber in Läden, da habe ich sie manchmal getragen. Da ging es noch, aber in der Schule muss man sie ja 2 Stunden am Stück tragen und das ist viel zu viel.

 

Maurice: Wie ging’s dir denn in den Läden als du eine Maske getragen hast? Welche Gedanken, welche Gefühle sind da in dir entstanden?

 

Nick: Mich hat es erst mal genervt. Wenn man z.B. die Maske vergisst, dass man dann wieder nach Hause gehen muss. Dass einem jemand sagt „Zieh die Maske über die Nase, weil du sie unter der Nase hast!“, damit du dann wieder besser atmen kannst. 

 

Es war eigentlich blöd. Finde ich nicht so gut und jetzt mit der Befreiung kann ich in den meisten Läden nicht einkaufen. Z.B. beim „Basic“ haben wir gestern gelesen, dass Leute mit Attest oder Maskenbefreiung ein Face Shield ausgegeben bekommen. 

 

Dann muss ich da auch mit Maske rein, habe aber als keiner da war, sie einfach runtergezogen. So war das auch bei Rewe oder anderen Läden, wo wir lange drin waren. 

 

Maurice: Wie fühlt sich das für dich an? Oder was denkst du, dass du nicht mehr einfach wie vor ein paar Monaten noch in die Geschäfte zum Einkaufen gehen kannst?

 

Nick: Das ist nur meine persönliche Meinung. Ich will jetzt niemanden damit beleidigen. Aber ich finde es einfach bisschen lächerlich, dass die Leute es einfach nicht verstehen. Warum sollte man sich selbst schaden mit etwas, das bewiesenermaßen nichts bringt? Das finde ich einfach lächerlich und wie dumm manche Menschen sind. Wie leicht beeinflussbar sie sind.

 

Maurice: Ja.

 

Nick: Manchmal regt mich das auf und nervt mich auch, dass man nicht mehr einfach in den Laden gehen kann ohne irgendwas. Aber letztens bin ich einfach in den Laden gegangen ohne irgendwas zu sagen ohne Maske, hab meinen Einkauf gemacht, hab mit 2 Personen gesprochen, die hat mir auch ein Handy gegeben um zu schreiben, was ist dieses Produkt und was ist dieses Produkt, weil sie es nicht wusste. 

 

Dann habe ich eingekauft, bin zur Kasse gegangen und irgendwie beim Einpacken oder Bezahlen fragte sie: „Warte mal! Wo ist deine Maske?“. Und ich sagte: „Ich habe eine Maskenbefreiung.“. Und sie: „Ok.“. Aber es ist keinem aufgefallen! Diesen 2 Mitarbeitern ist es nicht aufgefallen, dass ich keine Maske anhatte!

 

Maurice: Kannst du das mit 1 Wort beschreiben, dass du nicht mehr einfach so in jedes Geschäft gehen kannst zum Einkaufen?

 

Nick: Blöd.

 

Maurice: Mhm.

 

Nick: Also können tue ich es schon, aber es wäre nicht mehr so gut oder wenn man nur Geld hat. Ist halt blöd. Früher konnte man einfach so in den Laden gehen und etwas holen und jetzt muss man erst mal Maske tragen. Vielleicht geht’s einem dadurch schlecht und dann will man nicht so lange im Laden sein und vielleicht ein bisschen stöbern und vielleicht was gucken, überlegen. Kann man nicht mehr.

 

Maurice: Mhm. Was löst das in dir aus?

 

Nick: Irgendwie bin ich schon enttäuscht, aber irgendwie auch… Ich finde es sehr blöd.

 

Maurice: Und nimmt dir das etwas, dass du nicht mehr einfach so einkaufen gehen kannst?

 

Nick: Ja, Nehmen würde ich jetzt nicht sagen, aber ich finde es blöd, dass die Leute einen direkt ansprechen, wenn man keine Maske trägt oder einen böse angucken, wenn man keine Maske trägt. Also irgendwie geht die Freundlichkeit dadurch verloren.

 

Maurice: Die Freundlichkeit geht verloren. Noch irgendwas anderes? Was geht noch dadurch verloren?

 

Nick: Also ich finde, der Kontakt zu anderen Menschen.

 

Maurice: Ja. Noch was?

 

Nick: Mal überlegen. Man sieht ja viel durchs Gesicht. Wenn man z.B. in den Laden geht, dann weiß man oft vielleicht nicht, wenn er vielleicht keine fröhlichen Augen hat, aber vielleicht dann doch ganz griesgrämig oder so ist, dass man den vielleicht nicht ansprechen sollte, weil vielleicht motzt er einen an oder vielleicht will er gerade alleine sein, vielleicht sieht man es auch nicht. 

 

Maurice: Das hast du sehr schön beschrieben. Nick, indirekt hast du es schon gesagt. Deswegen möchte ich noch mal ganz genau nachfragen. Also du hast beschrieben, dass du vorher in jedes Geschäft einfach so rein konntest, ohne Einschränkung und jetzt kannst du das eben nicht mehr.

 

Nick: Ja.

 

Maurice: Also was wurde so ein bisschen genommen?

 

Nick: Freiheit.

 

Maurice: Ja, ganz genau.

 

Nick: auch die Freiheit bei der Quarantäne.

 

Maurice: Ja, super. Darauf wollte ich hinaus. Du hast es schon indirekt gesagt. Ich wollte nur noch mal das Wort hören, weil das ganz wichtig ist.

 

Gut, wie du es empfindest, die anderen Menschen mit der Maske zu sehen, das hast du schon ganz wunderbar beschrieben. 

 

Nick: Man kann sie nicht mehr so richtig sehen und erkennen.

 

Maurice: Ja. Wie gehen deine Lehrer in der Schule mit dem Thema Corona um? Gibt es da Diskussionsrunden, Vorträge?

 

Nick: Nein, die sagen „Zieh die Maske auf!.“. Einen Lehrer an der Schule gibt’s, der vielleicht sagt … nein, das nicht, aber einfach sich richtig informiert, also nicht einfach immer nur Tagesschau guckt, vielleicht auch mal andere Leute fragt, einfach mal kein Mainstream guckt oder sich anders informiert. 

 

Maurice: Das sagen die Lehrer oder das sagst du?

 

Nick: Nee, ich schätze, einen Lehrer gibt’s – also mindestens glaube ich einen – der nicht immer auf dieser Mainstream-Seite ist. Also ich glaube, einen gibt’s oder mehrere. Aber eigentlich, alle anderen Lehrer, die ich kenne sind eher so ein bisschen… 

 

Z.B. meine Klassenkameraden sagen – die aus den unteren Klassen sagen: „Ey! Maske auf!“ oder was. Das finde ich einfach blöd und die Lehrer, die vielleicht auch nicht wissen… oder der Schulleiter, der hat mich auch einmal angesprochen, weil ich keine Maske hatte und war nicht freundlich.

 

Maurice: Ok, du erlebst also die Menschen als unfreundlich dir gegenüber, weil du keine Maske trägst.

 

Nick: Ja, weil die anscheinend denken, ich gefährde dadurch sie oder andere, was ich ja eigentlich nicht tue.

 

Maurice: Was meinst du, woher kommt das, dass die meisten Lehrer, so wie du das gesagt hast, dem Mainstream folgen?

 

Nick: Fehlinformiert sind.

 

Maurice: Fehlinformiert?

 

Nick: Ich weiß es nicht, vielleicht ist es einfach der einfachste Weg, um an Informationen zu kommen oder einfach mal abends zu gucken „ah, was ist das?“. Z.B. wie ich in der Schule jetzt morgens lerne, wie ich jetzt Bruchrechnen mache oder so und die einfach Informationen leicht bekommen oder lernen was in der Welt abgeht einfach ohne sich anzustrengen eigentlich.

 

Maurice: Ja, sehr schön beschrieben. Ich meine, im Grunde genommen ist es ja auch einfacher, ne? Wenn ich nach Hause komme abends. Dann mache ich den Fernseher an. Dann gucke ich 20 Minuten die Nachrichten. Dann bin ich fertig mit der Geschichte. 

 

Wenn ich mich aber wirklich allumfassend informieren möchte, dann muss ich wirklich Zeit investieren und Mühe und muss recherchieren und das nimmt nun mal ein bisschen mehr als eine halbe Stunde oder 20 Minuten in Anspruch.

 

Nick: Und als Lehrer ist es vielleicht oft schwer und die anderen Leute machen es auch nicht.

 

Maurice: Ja, viele Menschen machen das nicht. 

 

Nick: Sehr viele.

 

Maurice: Ja. Wie ist das denn bei dir Nick? Würdest du zur Zeit lieber zu Hause bleiben oder weiter zur Schule gehen?

 

Nick: * lacht * Also persönlich hätte ich jetzt eher Lust zu Hause zu sein, weil ich nicht so gern aufstehen möchte. Das sind natürlich persönliche Gründe. Aber wegen der Maske oder wegen den Lehrern… naja, manchmal finde ich es schon ätzend.

 

Maurice: Mhm. Wie fühlst du dich denn als einziger ohne Maske?

 

Nick: Ich bin nicht der Einzige. Es gibt auch so 5 andere in meiner Klasse oder so. Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall, eine Mutter gibt es auf jeden Fall, die sich gut informiert. Nein 2 sogar gibt es in meiner Klasse, die sich informieren. Rest weiß ich nicht. 

 

Aber der Sohn von einer Mutter hat auch ein Attest und zieht sie lieber an, wenn… also nur ganz kurz oder nur ein bisschen, wenn er jetzt nicht auf Diskussionen aus ist. Also ich will sie lieber nicht anziehen, weil, wenn ich schon eine Freigabe habe, dann soll ich sie jetzt nicht einfach bei der nächstbesten tragen oder im Bus wieder Maske anziehen. Es bringt doch nichts. 

 

Da sollte man sich auf Diskussionen gefasst machen. Du hast eine Freigabe und die Leute sollen das akzeptieren. 

 

Z.B. ein Busfahrer, hat mich mich auf dem Rückweg, hat mich und diesen einen Jungen aus meiner Klasse angemotzt, weil wir keine Masken hatten. Der ist so nach hinten gekommen und sagte „Wo ist eure Maske? Zieht jetzt die Maske hoch!“ und wir beide sagten „Wir haben ein Maskenattest.“ und da sagte er „Zeigt es her!“ und dann wir „Nee, das müssen wir eigentlich nicht. Das müssen wir eigentlich nur der Polizei zeigen.“. Da sagte er „Dann geht ihr raus! Dann schmeiße ich euch raus!“.

 

Maurice: Mhm. Das wäre eine von den nächsten Fragen gewesen, lieber Nick. Fühlst du dich irgendwie benachteiligt dadurch, dass du keine Maske trägst? Also von der Busfahrt hast du jetzt schon berichtet. Aber gibt’s in der Schule irgendetwas, wo du benachteiligt wirst, wo du das Gefühl hast?

 

Nick: Manchmal im Unterricht und vielleicht werde ich öfters angesprochen, aber den Leuten sage ich, sie sollen es einfach akzeptieren. Ich finde, benachteiligt werde ich glaube ich nicht. Vielleicht öfters angeredet, aber das ist jetzt nicht so schlimm.

 

Maurice: Nick, wie informierst du dich denn zum Thema Corona. Informierst du dich selbständig?

 

Nick: Mhm. Also ich höre meinen Eltern zu, weil mein Vater sich sehr informiert. Deswegen bekomme ich davon viel mit und für mich klingt es logisch und deswegen benutze ich das auch als Grundlage, wenn ich diskutiere. 

 

Aber ich kriege ja nur so ein Bruchstück von dem mit worüber sich mein Vater informiert, aber es reicht einfach für die Leute mit denen ich diskutiere. Die stellen ja fast nur dieselben Fragen. Also muss ich fast immer nur dieselben Antworten geben. Warum?

 

Maurice: Mhm. Nick, hast du einen Wunsch an die Zukunft?

 

Nick: Ja, auf jeden Fall, dass die Leute endlich aufwachen sollten, dass wir keine Maske mehr tragen müssen überall, nirgends mehr und, dass die Leute aufwachen, sich richtig informieren würden oder Informieren müssen sie sich ja nicht so stark jeden Tag 2 Stunden oder so – müssen sie ja nicht, aber vielleicht mal ein bisschen sich vom Flussstrom abheben, nicht mehr so stark im Strom mitschwimmen. Dass die Leute halt ein bisschen aufwachen.

 

Maurice: Ja. Sehr schön.

 

Nick: Und nicht mehr den Leuten blind folgen.

 

Maurice: Ja. Nick, gibt es noch etwas, was ich dich nicht gefragt habe, was du noch gern erzählen würdest?

 

Nick: Keine Ahnung * lacht *

 

Maurice: Ok, lieber Nick, dann danke ich dir ganz herzlich für deine Zeit.

 

Nick: Ja, ich auch.

 

Maurice: Ich finde, dass du sehr mutig bist, dass du hier das Interview heute mit mir geführt hast und auch, dass du dich in Diskussionen in Geschäften stellst mit deinen 12 Jahren und nicht einfach klein beigibst, deine Meinung vertrittst.

 

Nick: Es ist eher mit meinen Klassenkameraden, da diskutiere ich eher oder ich sage einfach… nee,  klein bei gebe ich nicht so gerne.

 

Maurice: Das muss man ja auch nicht. Man kann seine Meinung vertreten und ja, ich finde es ganz toll. Lieber Nick, dann wünsche ich dir für die Zukunft jetzt erst mal alles Liebe und Gute.

 

Nick: Danke.