Hochsensibilität (HS) - Einführung

Hochsensibilität oder auch Hypersensitivität ist eine Art besondere Begabung im feinfühligen Bereich. Schätzungen gehen davon aus, dass 15-30% der Menschen hochsensibel sind. Die Wahrnehmung von Reizen und Informationen ist bei ihnen stärker ausgeprägt als bei Normalsensiblen. Ihr Nervensystem verfügt über weniger Filter, so dass sie vieles, wie zum Beispiel Lautstärke, Lichter, Berührungen, Gerüche oder Gefühle intensiver empfinden und auch tiefer verarbeiten. Sie nehmen also mehr wahr, fühlen mehr und denken auch mehr. 

 

Hochsensibilität ist ein konstitutionelles Merkmal, das sich nicht auswächst, sondern das von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter bestehen bleibt. Es ist keine Krankheit oder Störung sondern einfach eine Besonderheit des neuronalen Systems, eine physiologische Veranlagung. Deshalb ist Hochsensibilität auch keine anerkannte Diagnose und die Zugehörigkeit zum Personenkreis der Hochsensiblen lässt sich nur über einen Merkmalskatalog feststellen. 

 

Hypersensitivität kann sich sowohl positiv als auch negativ auf die Betroffenen auswirken. Menschen, die hochsensibel sind, sind durch die vielen ungefilterten Reize die auf sie wirken schneller ablenkbar, unkonzentriert, rasch erschöpft und schnell überreizt. Dies wiederum führt bei vielen von ihnen zu Rückzug, Unruhe und Selbstzweifeln. 

Andererseits ermöglicht die hohe Verarbeitungstiefe unkonventionelles Denken, was zu außergewöhnlichen Leistungen und ungewöhnlichen Lösungen führt. Vor allem im Berufsleben kann dies durchaus nützlich sein, in vielen Schulen wird es allerdings leider häufig nicht so gern gesehen.


Wie erkenne ich eine Hochsensibilität?

 

Wie bereits erwähnt gibt es die Diagnose Hochsensibilität nicht. Es gibt jedoch Merkmalslisten mit deren Hilfe man einigermaßen sicher feststellen kann, ob man selbst oder auch sein Kind zu dem Personenkreis der Hypersensitiven gehört. Je mehr Merkmale auf der Liste auf die betreffende Person passen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit und/oder Ausprägung einer HS. 

 

Bedenken sollte man, dass es wie auch bei Normalsensiblen zwei Typen der Hochsensibilität gibt: die Extrovertierten und die Introvertierten. Während bei den HS-Personen jedoch 70% zum Hypotyp (introvertiert) und 30% zum Hypertyp (extrovertiert) gehören, ist die Verteilung im Rest der Bevölkerung genau konträr (70% Hypertyp, 30% Hypotyp). 

 

Folgende Merkmalsliste ist nicht vollständig, gibt aber einen guten Überblick:

 

-  beobachtet viel und interagiert früh mit der Umwelt

-  ist unausgeglichen, kommt schlecht zur Ruhe und schläft schlecht ein, wacht oft auf

-  eventuell ein Schreibaby

-  reagiert auf kleinste Geräusche und erschrickt leicht

-  ist schnell überreizt

-  ist leicht ablenkbar

-  klammert mehr als andere Babys/Kinder

-  wirkt anders als die anderen Kinder

-  neigt zu Sortierspielen

-  kann plötzliche Wutanfälle bekommen

-  drückt sich früh höflich und gewählt aus

-  hat gern ältere Freunde

-  frühe empathische Haltung

-  früh ausgeprägter Gerechtigkeitssinn

-  altersuntypischer Sinn für Humor und Ironie

-  nimmt viele Details wahr

-  macht ungewöhnliche Lösungswege oder -vorschläge

-  frühe Selbstzweifel

-  ist übertrieben eifrig und klug

-  ist oft sehr still oder scheu

-  hat Konzentrationsprobleme

-  spielt und lernt lieber allein oder mit maximal einem weiteren Kind (Bevorzugung von 1:1-Kontakten)

-  ist sehr empathisch, mitfühlend, sozial engagiert

-  passt sich schnell an

-  hat ein großes Harmoniebedürfnis

-  ist schnell genervt von Licht, Gerüchen, Geräuschen etc.

-  ist schneller erschöpft, braucht öfter eine Pause

-  ist perfektionistisch und kann sich selbst oft nicht genügen

-  stellt tiefgründige Fragen

-  nörgelt schnell und ist zimperlich

-  mag keine (plötzlichen/großen) Veränderungen

-  schaltet scheinbar ab

-  nimmt Stimmungen anderer schnell und intensiv wahr/auf

-  braucht komplexe Spiele/Aufgaben

-  ist oft sehr kreativ, künstlerisch und/oder ideenreich

-  denkt viel nach/reges Innenleben

-  nimmt Dinge sehr persönlich

-  schnell ungeduldig

-  hält Druck von außen schlecht aus

-  hellfühlige, mediale Fähigkeiten

-  komplexes Denken

-  mag keine oberflächlichen Gespräche

-  Entscheidungen zu treffen fällt schwer

-  Hat Schwierigkeiten mit Hierarchien und Autoritäten

-  Vermutung von Hochbegabung, AD(H)S und / oder Asperger-Autismus steht im Raum oder wurde bereits bestätigt

 

Einige Merkmale in der Liste treffen vorzugsweise auf die große Zahl der introvertierten Hochsensiblen zu, die sich bei Überreizung schnell zurückziehen. Der Hypertyp überdreht indessen leicht und neigt zu Übertreibungen, Impulsivität und starken Gefühlsschwankungen.