"Pädagogik bedeutet Menschen zu begleiten in ihrer freien Entwicklung und das ist eine hochsensible Aufgabe und die wird nicht durch Druck und Zwang erledigt, sondern durch Zuhören und Empathie und das Vorleben."

 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen und auch mit Erwachsenen. Ich habe es mir in der Coronazeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie in Interviews nach ihren Gedanken und Gefühle zu erfragen. Aber ich interviewe auch Psychologen, Ärzte, Eltern.

 

Und heute habe ich eine Mutter bei mir, die liebe Rosa. Und Rosa möchte einfach mal… Also Rosa ist so mutig und wird heute mal so ein bisschen von der Schule berichten, was da so passiert, wie das dort abläuft, wie mit ihrem Kind umgegangen wird, usw.. Ich freue mich sehr, dass du da bist. Herzlich willkommen liebe Rosa.

 

Rosa: Ja, ich freue mich auch. Danke.

 

Maurice: Rosa, magst du einfach mal irgendwo beginnen zu erzählen, was bei euch an der Schule abgeht?

 

Rosa: Ja, sehr gern. Also ich bin Mutter eines 12-jährigen Kindes. Er geht in die 7.Klasse einer Stadtteil-Schule. Das ist der Neubegriff für eine Gesamtschule. Die ist relativ groß, ungefähr 1200 Schüler. Er hat einiges erlebt jetzt seit Corona, insbesondere natürlich seit der Lockdown im März verhängt wurde, mit Homeschooling. Jetzt ist ja wieder „Regelbetrieb“. 

 

Vielleicht fange ich mal am Anfang an. Es gab ein Theaterprojekt in den März-Ferien und die Kinder hatten 2 Wochen lang keine März-Ferien, sondern haben sich täglich getroffen, um ihr Theaterstück zu proben und erfuhren dann 2 Tage vor der Premiere, dass eben der Lockdown dazu führt, dass sämtliche Veranstaltungen, Theater, etc. geschlossen werden. 

 

Diese Kinder – man muss dazu wissen, das sind nicht Kinder aus gutem Hause oder so. Das sind Kinder aus St. Pauli. Ich hatte mir die Proben angesehen. Die Kinder waren wirklich super motiviert und haben sich wahnsinnig ins Zeug geschmissen. Im St.Pauli-Theater war das. Und als es dann hieß, dass die Premiere nicht stattfinden wird, waren diese Kinder wie vor den Kopf gestoßen und haben auch geweint und haben es einfach nicht verstanden. 

 

Mein Sohn hat in dem Fall die Hauptrolle gespielt und wir waren alle ganz aufgeregt. Ich habe in dem Moment… Das war für mich der Einstieg in den Widerstand auch, weil ich gedacht habe „Das kann nicht wahr sein!“. Es kann nicht wahr sein, dass diese Kinder, die so viel… sich so bemüht haben, einfach kalt gestellt werden. Dann schien es so… 

 

Also die Schule hat die Hände gehoben und hat gesagt „Das ist ja jetzt von ganz oben entschieden.“. Da können sie nichts machen. Ist halt doof. „Wir holen das nach.“. Wie man sich vorstellen kann, ist natürlich bis heute nichts nachgeholt worden. Das Ganze ist ersatzlos gestrichen. Die Gelder sind allerdings geflossen für die ganze Sache. 

 

Maurice: Gab es denn einen Versuch, das Ganze nachzuholen?

 

Rosa: Nein, natürlich nicht. Es hat niemals der Versuch stattgefunden. Es hieß, im Sommer – dann war ja klar, dass sich die Maßnahmen im Zweifel noch mal verschärfen werden. Das ist jetzt wieder der Fall. Wie gesagt, es ist ersatzlos gestrichen. 

 

Also die Enttäuschung in den Gesichter dieser – es waren bestimmt 2 Dutzend, wenn nicht mehr, Kinder zwischen, ich würde sagen, 12 und 16 Jahren… Also ich habe das gesehen und das war einfach nur zum Weinen.

 

Gut, das war also letztes Schuljahr. Dann war Lockdown. Wenn ich mal daran denke, wie sich das entwickelt hat im Lockdown: Von jetzt auf gleich wurden die Schulen geschlossen. Die Kinder haben sich nicht mehr gesehen. 

 

Es gab das Angebot einer Notbetreuung, die tatsächlich 2 Tage die Woche für 2 Stunden angeboten wurde – ohne Mittagessen. Man muss dazu wissen, dass die meisten oder viele Kinder, die auf diese Schule gehen in diesem Stadtteil in der Schule ein warmes Mittagessen bekommen, was ihnen in den Familien im Zweifel nicht geboten werden kann. 

 

Ich habe das dann gegenüber der Schulleitung angemahnt, denn sie haben ein Konzept erarbeitet, was sich hauptsächlich auf Hygiene bezog. Uns wurde auch mitgeteilt, dass die Reinigungsfrequenzen erhöht wurden. Da ist also direkt Geld reingeflossen. 

 

Das andere Geld ist in Porto geflossen. Ich weiß, dass in der 1.Woche für 4.000 Euro Arbeitsblätter verschickt wurden an die Kinder. Diese Aufgaben aufgrund dieser mangelnden Digitalisierung, um eben diese Zettel auszuteilen. Das war aus meiner Sicht ein Desaster. Es war weder differenziert, noch wurde es begleitet. 

 

Mein Kind hat also 2-3x die Woche Post bekommen von der Schule mit einem Rücksendeumschlag, obwohl wir ungefähr 300m Luftlinie entfernt von der Schule wohnen. Uns wurde auch gesagt, wir dürfen auf keinen Fall diese Sachen persönlich einwerfen. Wir müssten diesen Umschlag benutzen aus hygienischen Gründen. Man leckt den erst mal an den Umschlag, aber egal.

 

Gut, also es war binnen kürzester Zeit klar, dass dieses „Homeschooling“ ÜBERHAUPT nicht funktioniert hat. Mein Kind hat auch rumgefragt. Die haben ja diese unsäglichen WhatsApp-Gruppen unter den Kindern und es war völlig klar, dass die Kinder mit dem Handy arbeiten, weil das haben sie. Sie haben wirklich zum größten Teil kein mobiles Endgerät, auf dem sich tatsächlich arbeiten lässt. 

 

Diese wurden auch nicht von der Schule, von der Stadt oder von irgendjemandem zur Verfügung gestellt. Es hieß dann, ja, die gehen eben an die oberen Klassen und wer in der 5.-8.Klasse ist, hat halt Pech gehabt. Es gab also überhaupt keine Unterstützung. 

 

Es gab in unserem Fall, 1 Kontakt in – ich weiß jetzt gar nicht mehr wie viele Wochen das waren. Gefühlt waren’s ja irgendwie 2 Monate - 1 Kontakt zwischen Lehrern und Schülern oder meinem Sohn, der vor der Haustür stattfand, mit Hygieneabstand, in dem er letztlich nur gefragt wurde, ob es…

 

Maurice: Kam dann ein Lehrer, oder wie war das?

 

Rosa: Genau, es kamen die beiden Klassenlehrer mit Maske draußen vor der Tür mit Abstand und fragten, ob alles ok ist. Das war eine Sache von, ich würde mal sagen, 2,5 Minuten. Das war die „Betreuung“ im gesamten Lockdown 1. 

 

Was ich noch berichten kann: Ich habe mein Kind in der Notbetreuung angemeldet. Da musste ich vorher bei der Schulbehörde anfragen, weil uns gesagt wurde, dass, wer diese Notbetreuung in Anspruch nimmt, OHNE triftigen Grund, ein Bußgeld zu erwarten hat. Dann habe ich bei der Schulbehörde angefragt, was denn ein triftiger Grund sei und wer das bewertet und was für ein Bußgeld dahinter steht, weil es gab noch kein Bußgeldkatalog für irgendwelche Corona-Maßnahmen zu dem Zeitpunkt. Ich habe darauf nie eine Antwort bekommen vom Pressesprecher der Schulbehörde. 

 

Desweiteren war es so, dass in dieser Notbetreuung es natürlich nur um Hygiene und Abstand, überhaupt nicht um Unterricht ging und erst recht nicht um, ich sag’ mal eine pädagogische, respektive psychologische Betreuung der Kinder, die teilweise völlig panisch waren, die zu dem Zeitpunkt schon - man muss sich vorstellen, das war vor den Sommerferien 2020 – schon mit Maske den ganzen Tag in der Schule saßen, weil sie von ihren Eltern dazu genötigt wurden. 

 

Ich bin ein paar Mal durch die Schule gelaufen, was mir übrigens nicht verwehrt wurde interessanterweise. Ich bin da durchgelaufen und habe einzelne Kinder, bestimmt 20-30, immer wieder gefragt „Hallo, wie ist denn das? Du trägst eine Maske. Tust du das freiwillig?“. 

 

Die haben mich alle angeguckt als ob ich ein Kamel am Nordpol wäre. Das würden sie natürlich nicht. Sie würden nicht freiwillig diese Maske tragen. Dann habe ich gefragt, wer ihnen sagt, dass sie das tun sollen. Die Lehrer würden sagen, das müssten sie tun. 

 

Dann habe ich gesagt: „Nein, das müsst ihr nicht tun.“. Und dann haben sie sich teilweise auch die Maske aus dem Gesicht gerissen und erst mal tief durchgeatmet. Dann habe ich ihnen erklärt, dass das nicht rechtens ist, dass niemand das Recht hat, ihnen eine Maske aufzuzwingen und bin dann zur Schulleitung gegangen und habe der Schulleitung gesagt, was ich erlebt habe, dass ich diverse Kinder gefragt hätte und die mir unisono bestätigt hätten, dass sie gezwungen würden, diese Maske zu tragen. 

 

Dann sagte die: „Nein.“, das sei eine Bitte. Überall hingen Schilder „Bitte trage eine Maske.“. Da habe ich gesagt: „Liebe Schulleitung, wenn Kinder in der Schule, die gewohnt sind, von Lehrern gesagt zu bekommen, was sie zu tun haben „Bitte rechne die Aufgabe.“, dass das für diese Kinder keiner Bitte gleichkommt, sondern einer Aufforderung, dass das eine Regel darstellt. 

 

Und dass ich davon ausgehe, dass diese Regel auch so empfunden wird von den Kindern und dass ich hiermit ganz deutlich mache – ich war damals noch Teil, Mitglied des Elternrates – dass sich das im Bereich der Nötigung befindet, dass das strafrechtlich relevant ist und dass insbesondere verbeamtete Lehrer gegenüber Schutzbefohlenen, da empfindliche Strafen zu erwarten haben. 

 

Der einzige Kommentar der Schulleitung dazu war: Das wäre ein „starkes Wort: Nötigung“. So würde sie das nicht sagen. Dann habe ich gesagt: „Das ist mir völlig egal, wie Sie das sagen würden. Strafrechtlich ist das Nötigung.“. 

 

Es ging weiter. Also die Masken sind weiter den Kindern… Die Kinder sind weiter „gebeten“ worden, Masken zu tragen, was einer Nötigung gleich kam. Und ich empfinde das als Gehirnwäsche, weil sie wurden damit vorbereitet auf das, was dann kam. 

 

Maurice: Weißt du, was dort im Unterricht ablief? Also ich höre von ganz vielen Schülern und auch von Eltern, die mir darüber berichten, dass sogar über Lautsprecher gesagt wird „Ihr seid dafür verantwortlich, wenn eure Großeltern sterben.“ usw.. Ist dir da so was bekannt?

 

Rosa: Also ich bin mir ziemlich sicher, wenn mein Kind das hören würde, dass ich das wüsste. Ich habe das nicht mitbekommen. Ich weiß aber – das ist mir von Kindern erzählt worden – dass sie regelmäßig angeraunzt werden „MASKE! WO IST DEINE MASKE! SETZ’ DEINE MASKE AUF!“. Das ist also das Einzige, was sie noch hören. 

 

Man muss sich vorstellen: Es fing an im August, als die Schule bei uns wieder anfing, damit, dass im Unterricht am Platz keine Maskenpflicht war. Ab dem Moment wo man sich bewegt in der Klasse, auf den Flur geht, auf die Toilette, auf den Schulhof, in die Kantine, war Maskenpflicht, bis am Platz der Kantine. Zum Essen durfte man sie dann abnehmen. 

 

Und das ist auf eine Art und Weise durchgesetzt worden, von der ich weiß, dass es vollkommen unpädagogisch ist und mit den Grundsätzen, die für mich gelten in diesem Land und für Pädagogen und für Staatsdiener und für Leute, die als Beamte die Pflicht haben zu remonstrieren, sich also gegen unsinnige Befehle zur Wehr zu setzen und diese nicht auszuführen, aufgrund ihres Gewissens, dass das wirklich Zustände sind, die nicht gehen. 

 

Und ich weiß, dass… Also mein Kind berichtet von Gehirnwäsche. Es geht ständig um Corona, Corona, Corona. 

 

Maurice: Kurz nachgefragt: Dein Kind ist 12 und kommt nach Hause und sagt „Mama, was dort passiert ist Gehirnwäsche. Ich hab’ das Gefühl, die wollen unser Gehirn waschen.“?

 

Rosa: Ja, das sagt er so nicht, aber er sagt „Es geht ständig um Corona.“. Er hört schon gar nicht mehr zu, denn es geht immer um dasselbe. „Gefährliches Killervirus. Vorsicht! Vorsicht! Vorsicht!“. Es gibt überhaupt keine, also nicht mal eine Sekunde lange oder eine Einheit lang oder irgendwas eine andere Meinung. 

 

Und er berichtet davon, dass er der Einzige ist, der mal sagt – also er ist ziemlich gut im Thema drin. Was bleibt ihm auch anderes übrig in unserem Haushalt? Wenn er dann sagt „Professor Püschel vom UKE hat gesagt, dass noch kein Einziger in Hamburg an Corona gestorben ist, sondern nur mit.“ und dass das Alter derjenigen, die an Corona gestorben sind im Mittel bei ungefähr 84 Jahren läge. 

 

Dann wird dem erst mal widersprochen vom Lehrer. Das sei ja alles nicht so – ohne Quellen zu nennen natürlich. Und dann wird eine moralische Keule herausgeholt ihm gegenüber und zwar die, dass der Lehrer diesem 12-jährigen, der als Einziger das Rückgrat besitzt, dort ohne Maske sitzend unter 20 Schülern, als Einziger das Rückgrat hat Fakten auf den Tisch zu legen und dann kommt der Lehrer mit der moralischen Keule und sagt: 

 

Willst du damit sagen, dass dein Leben mehr wert ist als das einer 84-jährigen?“. Und dann sagt der 12-jährige natürlich: „Ja, denn ich hab’ mein Leben noch vor mir. Ich kann noch einen Beitrag leisten zu dieser Gesellschaft. Die 84-jährige hat ihr Leben hinter sich und mit 84 darf man auch sterben und früher sind Menschen gestorben an Grippe, wenn sie so alt waren. Das war normal.“. 

 

Das muss man sich vorstellen, dass das einem 12-jährigen in diesem Klassenverband wird er quasi vorgeführt mit dieser moralischen Keule, ohne, dass auch nur im Mindesten auf sein Argument eingegangen wird. 

 

Allerdings muss ich sagen: Mein Kind hatte zu diesem Gespräch… Also mir ist wirklich komplett die Hutschnur hochgegangen. Er sagte, er hatte das Gefühl, dass der Lehrer ihn nicht fertig machen wollte, sondern eher stutzig war, dass er sozusagen den Arsch in der Hose hatte, sich auf diese Diskussion einzulassen. 

 

Also das ist sozusagen das Gute im Bösen, dass das Kind immer noch was Gutes darin sieht. 

 

Maurice: Ja, das sollten wir alle machen. Ich meine, in der Schule lernen wir immer uns auf Fehler zu fokussieren und genauso kann man’s aber auch lernen, sich auf das Gute zu fokussieren, bzw. Fehler als etwas Gutes zu betrachten. 

 

Nämlich Fehler sind im Grunde genommen nichts weiter als Sprungbretter für Wachstum, so habe ich’s mal formuliert, und wie gesagt, wir lernen uns auf das „Negative“ – was jetzt negativ und positiv ist usw., das ist ein anderes Video wert. Aber wir fokussieren uns auf das Negative. 

 

Genausogut können wir uns auch auf das Positive fokussieren. Also: Was kann ich aus der Situation mitnehmen? Warum ist die Situation zustande gekommen? Was kann ich tun, um es das nächste Mal anderes oder vielleicht „besser“ zu machen und welches Wissen brauche ich dafür und wo bekomme ich das Wissen her?

 

Rosa: Ja. 

 

Maurice: Das könnte man in der Schule lehren. Die Betonung liegt auf „könnte“.

 

Rosa: Genau, das könnte man und gerade in einer Situation, wo sozusagen sich ein interessantes Gespräch ergibt, könnte man ja auch darauf Bezug nehmen und sich damit auseinandersetzen. Das was ich weiß von meinem Kind und auch anderen Kindern, die ich befragt habe, ist, dass es eben nicht zugelassen wird, dass letztlich diese andere Meinung auch mal unterfüttert wird, dass das aufgenommen wird im Sinne von: 

 

„Ok, jetzt wollen wir uns vielleicht einfach mal damit beschäftigen. Sammelt doch mal Informationen und dann wollen wir mal gucken, ob wir eine Information finden, die sozusagen das Narrativ nicht stützt.“. Es gibt ja sogar…

 

Maurice: Vor allen Dingen, wenn jemand daherkommt mit einer anderen Meinung, wie dein Sohn jetzt in dem Fall, den du gerade geschildert hast. Dann hätte der Lehrer ja auch ganz anderes darauf… Also er hätte ja das Gleiche benutzen können, aber anders formuliert. Er hätte sagen können: 

 

Wow! Das finde ich jetzt gerade spannend. Lass uns doch alle gemeinsam darüber sprechen. Mir kommt da eine Frage auf:
„Ist deiner Meinung nach das Leben von einer anderen Person mehr wert als deins? 

Ist die Frage, die ich dir stelle, überhaupt berechtigt? Wie siehst du das?“. 

 

Und dann kann man ins Gespräch gehen und jeder kann davon profitieren. So funktioniert’s eigentlich, gestützt darauf, dass man sagt „Leben ist Wachstum.“, denn das ist es. 

 

Was wir alle lernen, ist ja, wenn wir aus der Schule, vom Abi kommen, wenn wir aus der Ausbildung kommen oder was auch immer: Dann sind wir fertig mit dem Leben. Dann gehen wir Arbeiten. Abends kommen wir nach Hause, schieben uns die Pizza in den Backofen, gucken Fernsehen und das war’s dann. Aber das bedeutet Leben eben nicht. 

 

Und das ist mal wieder die Stelle, wo man sagen muss: Wir müssen das Schulsystem komplett ändern. Wir müssen einiges komplett ändern, weil dort einfach nicht die wichtigen Dinge bereitgestellt werden. Ich sage absichtlich nicht „gelehrt“, sondern „bereitgestellt werden“, die der Persönlichkeitsentwicklung dienlich wären. Stattdessen bilden wir Marionetten aus, kann man sagen.

 

Rosa: Richtig. Also das war mir irgendwie vorher schon klar, dass Schule so ist, prinzipiell, generell. Ich habe lange Zeit geglaubt „Naja, das sind einzelne Menschen, die ihren Job nicht gut machen. 

 

Ich habe selber mal Pädagogik studiert und ich habe aufgehört Pädagogik zu studieren, also auf Lehramt, nicht Pädagogik. Ich habe Pädagogik studiert, weil es mich interessiert hat, aber die Lehramtsanwärterinnen mit denen ich dort saß, das war eine Katastrophe. Das waren stromlinienförmige, gelangweilte Leute, die Bock hatten auf einen gutbezahlten Halbtagsjob, der es damals noch war, mit 12 Wochen bezahlten Ferien. 

 

Das hat mich da heraus gebracht. Dann habe ich das nicht weitergemacht und ich hatte das Glück, ich war auf einer guten Schule, wo wirklich auch eine Fehlerkultur war, wo Diversität war, die es zugelassen hat, wirklich mit den Erwachsenen auf Augenhöhe sich zu begegnen, sehr kontroverse Diskussionen zu führen. 

 

Es war sehr politisch und ich vermisse das total, weil ich war entsetzt, als ich 30 Jahre später mein Kind in die Schule brachte und gemerkt habe „Boah, hier hat sich ja gar nix getan! Im Gegenteil!“. Und je älter er wurde und je höher er in den Klassenstufen stieg, desto mehr hatte ich das Gefühl, es geht wirklich nur noch um Gehorsam, um Abarbeiten, um immer noch dieses Bewertungskorsett, hierarchische Strukturen. 

 

Dann gibt’s aber immer wieder diese… Den Klassenrat z.B., wo so getan wird, als ob die Kinder irgendetwas in der Hand hätten und wenn ich dann nachgefragt habe, was denn Thema war, dann sind die Probleme der Kinder überhaupt nicht zur Sprache gekommen, sondern es wurde über irgendetwas informiert, was konformiert und umgesetzt werden sollte.

 

Maurice: Entschuldigung, dass ich dich unterbreche. Das ist ja wie bei uns Erwachsenen. Wir haben ja immer das Gefühl, wir dürfen was mitbestimmen. Aber im Grunde genommen machen das die einigen Wenigen und wir haben kein Mitspracherecht. Also warum sollte das bei den Kindern anders sein?

 

Rosa: Richtig.

 

Maurice: Rosa, ich habe eine Frage. Vielleicht kannst du kurz und knapp mit Ja oder Nein antworten. Ich kenne die Antwort eh schon. Ich stelle die Frage trotzdem: Lernst du von Kindern?

 

Rosa: Absolut! Immer schon. Ja.

 

Maurice: Das ist auch etwas, was ich immer wieder beobachte. Ich meine, ich arbeite jetzt immerhin seit 11 Jahren mit Kindern und immer wieder kommt es vor, dass ich Kindern sage, am Ende eines Gespräches, einer Sitzung eines Coachings, was auch immer. Am Ende einer Kommunikation mit einem Kind, sage ich dann „Ich danke dir dafür. Ich habe heute unglaublich viel von dir lernen dürfen.“. 

 

Dann gucken die mich mit so großen Augen an und können das irgendwie gar nicht glauben, sind sprachlos und dann sage ich „Ja, das hat dir noch nie jemand gesagt, oder? Ich bin der Erste, der dir gerade sagt, dass ich als Erwachsener etwas von dir lerne.“. Ja und das ist ein ganz eindeutiges Zeichen dafür, dass hier grundsätzlich was schief läuft, denn wir können unfassbar viel von Kindern lernen. 

 

Wir können unfassbar viel von Bäumen lernen, von Straßenlaternen lernen. Von allem und jedem können wir lernen, wenn wir wollen, aber aufgrund dessen, dass in unserer Kindheit unglaublich viel schief läuft - ich spiele auf die Konditionierungen an, die dort stattfinden – sind wir gar nicht mehr in der Lage dazu. Und diese ganzen einzelnen Elemente, Konditionierungen, Manipulationen, was man jetzt sieht.

 

Jetzt kommt nämlich der große Knall in der Corona-Krise und es offenbart sich, was schon sehr lange schief läuft.

 

Rosa: Ja. 

 

Maurice: Magst du vielleicht noch… Also ich meine im Grunde genommen hast du schon so viel berichtet, was fernab von Pädagogik ist, was rechtswidrig ist, was manipulativ ist, usw.. Aber vielleicht magst du noch ein Sahnehäubchen oben drauf setzen. Vielleicht hast du da noch ein Schmankerl für uns?

 

Rosa: Naja, also mein persönliches Sahnehäubchen ist meine Erschütterung, meine wirkliche Fassungslosigkeit darüber, dass gefühlt 99% das alles mitmachen, dass sich herausstellt, wie wenig Sympathie Menschen für Erwachsene, die einen Beruf ergriffen haben, der mit Kindern zu tun hat, wie wenig Sympathie diese Leute für Kinder überhaupt aufbringen können. 

 

Sympathie, Empathie, Herz. Das ist für mich eine Erfahrung, die mich schier immer wieder auf die Bretter schickt, dass es so wenig Lehrer gibt, die sich Gedanken darüber machen, was das mit den Kindern anstellt – Masken. 

 

Diese ständige Ermahnung und Zwang und die Kindern voneinander fernzuhalten, ihre Freundschaften aufzulösen, ihnen ihr Leben letztlich zu nehmen. Also es ist ja bekannt, dass die Kinder letztlich – mein Kind ist dafür ein Beispiel – dass die Kinder fast nichts anderes tun, als sich mit digitalen Geräten zu beschäftigen. Ich glaube, dass das auch gewollt ist. 

 

Mein Kind hat keine Lust mehr mit Maske zum Musikunterricht zu gehen. Er sieht seine Freunde kaum, weil sie größtenteils gar nicht mehr vor die Tür gehen. 

 

Und mich erschüttert auch, dass eben bis hin zu… also das zieht sich durch alle Gremien. Der Elternrat. Es gibt ein Schulgesetz in Hamburg. Ich glaube, das gibt’s in allen Ländern. Da steht drin, dass Gremien wie: Schülerräte, Elternräte, Personalvertretung beteiligt werden müssen an gravierenden Entscheidungen, die Schule betreffend. Das ist auf Eis gelegt. Das findet überhaupt nicht mehr statt seit einem halben Jahr und ich finde das unmöglich, dass die Leute es mit sich machen lassen. 

 

Die haben sich da in Ämter wählen lassen und das Einzige was ich mitbekomme, ist, dass sie sich wegducken und sagen „Nee, nee, das ist schon alles in Ordnung. Das ist ja ein gefährliches Killervirus.“. Und KEINER stellt die Frage, was das mit den Kindern macht. Also ob die jetzt mittags kein Essen bekommen: Scheißegal! Ob die jetzt eine Maske tragen müssen, obwohl es gesundheitsschädlich ist. Scheißegal! Das kann doch alles nicht sein! 

 

Und bis hin zur Elternkammer Hamburg: Die sprechen sich für Masken im Unterricht aus. Das muss man sich mal vorstellen! Das ist letztlich die einzige Lobby, von der man meinen könnte, dass sie hinter den Kindern steht und die eigenen Eltern wenden sich gegen ihre Kinder aus – ich sag’s einfach mal ganz klar – Dummheit, weil die Informationen kann man sich ja aneignen, was das alles… 

 

Also rein, wenn man sich die Frage stellt, in welchem Verhältnis das steht. Oder dass überall, egal wo, in welchem Büro oder in welcher Behörde die Leute ohne Maske den ganzen Tag sitzen. Das geht ja offensichtlich. 

 

Maurice: Das verstehe ich absolut. Vielleicht noch ein kleines Beispiel: Die Situation mit dem Homeschooling. Da war es so, dass mich viele Eltern angerufen haben und haben mir darüber berichtet, dass Kinder sich langweilen, dass sie unterfordert sind, dass sie überfordert sind, dass sie aggressiv werden, traurig werden, usw.. 

 

Und das hatte ganz einfach damit zu tun, dass Kinder in der Schule ja eine Struktur haben. Sie haben eine feste Struktur, eine feste Uhrzeit, wo sie da sein müssen, eine feste Uhrzeit, wann sie wieder gehen. Von Tag zu Tag unterschiedlich, aber es ist eine feste Struktur. Und innerhalb dessen auch eine feste Struktur. Von dann bis dann ist Unterricht. Von dann bis dann ist Pause. Da darfst du Essen, Trinken. Da musst du das machen und da das. 

 

Und jetzt kommen die Kinder nach Hause und werden ins kalte Wasser geschmissen und man sagt: Hier hast du deine Aufgaben. Bis übermorgen brauche ich die. Bis morgen, wann auch immer: dann haben die fertig zu sein. Und die Kinder sind, wie ich es gerade schon gesagt habe, unterfordert, überfordert, usw., weil sie es nicht gelernt haben selbständig zu arbeiten. 

 

Kinder sind aber sehr wandlungsfähig in dem jungen Alter und wenn man ihnen das dann erklärt - das habe ich natürlich getan – warum sie unterfordert, überfordert, gelangweilt, genervt usw. sind und sie das verstanden haben, dann machen sie sich einen Plan – selbständig – und dann passt das, dann funktioniert das. Natürlich nicht sofort 100%ig, aber langsam und sicher funktioniert das. 

 

Aber wenn wir jetzt einen 36 Jahre alten Mann haben, so wie mich z.B. und ich habe es nie gelernt so wirklich bewusst zu werden – vielleicht kann man das so zusammenfassend sagen – bewusst zu werden und das beinhaltet ja mehrere Aspekte, dass ich reflektiere, dass ich hinterfrage, dass ich Eigenverantwortung übernehme, eigenverantwortlich handele usw., dann habe ich ein Weltbild und wenn du jetzt daher kommst mit Zahlen, Daten, Fakten und ich halte aber an dem fest, woran ich schon immer glaube und woran ich schon immer festhalte, dann bist du eine Gefahr für mich und deswegen blocke ich dann ab, um mein Weltbild für mich aufrechtzuerhalten. 

 

Und ich verstehe das natürlich alles und ich habe auch Verständnis für die Leute, aber es ist für mich alles nicht mehr greifbar. Und ich bin dann teilweise, muss ich dir ehrlich sagen, auch genervt und auch ungeduldig, weil ich mir denke „Das kann doch nicht so lange dauern!“, aber es ist ein Prozess, wie alles im Leben. Es dauert seine Zeit und wir müssen schauen, dass wir in unserer Energie bleiben. 

 

Haben wir auch im Vorgespräch darüber gesprochen, dass wir uns immer wieder Erden mit Spaziergängen, mit einem tollen Familienausflug oder mit Filmen oder was auch immer – und stark bleiben bis das Ganze sein Ende gefunden hat. 

 

Ja liebe Rosa, magst du noch ein Wort an alle Kinder, Lehrer, Eltern richten?

 

Rosa: Ja. Also euch Kindern möchte ich sagen: Es tut mir wahnsinnig leid. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass euer Leben mal so aus den Fugen gerät und ich habe alles dafür getan, dass es nicht passiert und ich kann mich nur stellvertretend entschuldigen für die Menschen, die euch und uns das antun und verspreche euch, dass ich zu denen gehöre, die alles dafür tun, dass das bald ein Ende hat. 

 

Ich hoffe auch, dass diese Leute sich dafür verantworten müssen und ich wünsche mir, dass sie sich entschuldigen wenigstens. Ich finde, dass bei solchen Sachen eine Entschuldigung sehr angebracht ist und dass das viel mehr bringt, als wenn man diese Leute ins Gefängnis wirft, was definitiv das ist, was ihnen blüht, angesichts dessen, was sie uns allen antun und insbesondere den Kindern. 

 

Ich freue mich immer wieder über die Fähigkeit der Kinder damit umzugehen und nicht zu verzweifeln. Ich selbst versuche mir da eine Scheibe von abzuschneiden, wenn ich mir mein Kind angucke, sein Humor und seine Stärke und seine Coolness. Ja, sein Humor vor allem, damit umzugehen. Das geht mir inzwischen größtenteils ab, leider. 

 

Den Eltern möchte ich sagen, also denjenigen, die so kämpfen wie wir, für Gerechtigkeit und Freiheit und Selbstbestimmung: Dass wir nicht aufgeben dürfen. Es ist ein Marathon und es gibt aus meiner Sicht nur den einen Weg: da weiterzumachen.

 

Und den vielen Eltern, die noch nicht begriffen haben, was hier passiert und die letztlich dafür sorgen, dass dieses menschenverachtende System sich weiter halten kann, möchte ich sagen: 

 

Erinnert euch mal an euer Herz und erinnert euch mal dran, wie es war als ihr Kinder wart und was es mit euch gemacht hat, wenn es nicht schön war und wie wichtig es für euch war, dass es schön war und dass ihr euch geborgen gefühlt habt und sicher. Und ich meine damit nicht eine Sicherheit vor einem Virus, sondern ich meine Sicherheit vor all der Unbill, vor Gewalt, vor Einschränkung, vor der Tatsache, dass man sich eigentlich gar nicht mehr bewegen darf, nichts mehr sagen darf, nicht mal mehr denken darf. 

 

Erinnert euch mal daran und fasst euch ein Herz und beendet das!

 

Und das Gleiche gilt für die vielen Lehrer, die ja auch Eltern sind und den Lehrern möchte ich zusätzlich noch sagen:

 

Ihr werdet gut bezahlt dafür, dass ihr euch selber Pädagogen nennt und Pädagogik bedeutet Menschen zu begleiten in ihrer freien Entwicklung und das ist eine hochsensible Aufgabe und die wird nicht durch Druck und Zwang erledigt, sondern durch Zuhören und Empathie und das Vorleben. Ja, das wäre mir wichtig.

 

Maurice: Liebe Rosa, ein ganz tolles Schlusswort. Ich danke dir für deinen Mut, für dein Engagement und: Gemeinsam sind wir stark!

 

Rosa: Ja. Maurice, ich danke dir.

 

Maurice: Ich wünsche dir für deine Zukunft erst mal alles Liebe und Gute und wir beiden bleiben auf jeden Fall in Kontakt. Danke dir.

 

Rosa: Das würde mich freuen. Ja, ich danke dir auch. Schönen Tag.

 

 

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Herzlichst, Dein Maurice