"Die haben ihn quasi hinter eine Plexiglaswand gesetzt, also es war schon fast wie ein Käfig."

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite normalerweise mit Kindern und Jugendlichen und in der Coronazeit habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie zum Thema Maske tragen in der Schule zu interviewen, ihre Gedanken und Gefühle zu erfragen. Aber ich spreche natürlich auch mit den Eltern. 

 

Heute bin ich ganz froh, dass die liebe Nikole bei mir ist. Nikole ist Mutter von 2 Kindern und Nikole ist heute hier im Interview, um ihre Geschichte zu erzählen. Jetzt erst mal herzlich willkommen liebe Nicole.

 

Nikole: Hallo Maurice.

 

Maurice: Ja Nikole, vorab schon mal vielen Dank für deinen Mut und für dein Engagement, deinen Beitrag zu leisten. Vielleicht willst du einfach mal anfangen zu erzählen, was bei euch so passiert ist.

 

Nikole: Ok, dann leg’ ich mal los. Ich hab’ eine Tochter, die 17 ist. Sie geht in die Oberstufe vom Gymnasium. Hab’ einen Sohn, der 13 ist. Er geht in die 7.Klasse von der Realschule. 

 

Ich berichte kurz von meiner Tochter. Und zwar hat sie ein Attest zur Maskenpflichtbefreiung und nach den Herbstferien durfte sie die Schule nicht mehr besuchen, da dem Schulleiter das Attest nicht gefallen hat und er eine Diagnose haben wollte. Die haben wir dann besorgt. Dann hat es ihm trotzdem nicht gefallen. 

 

Und meine Tochter darf seit den Herbstferien nicht mehr zur Schule gehen, obwohl sie unbedingt in die Schule möchte. Es ist auch so, dass wir einen Eilantrag gestellt haben vor Gericht, der leider abgelehnt wurde und wir jetzt somit in die 2.Instanz gehen, d.h. es geht jetzt vor’s Oberverwaltungsgericht. Soweit zu meiner Tochter.

 

Jetzt berichte ich über meinen Sohn. Der hat auch ein Attest (schon seit April) und es war eigentlich auch nie ein Thema. Das Attest wurde immer anerkannt in der Schule. Nach den Herbstferien war es so, dass die Schule eine Diagnose wollte auf dem Attest. Die haben wir dann besorgt und hatten noch ein Gespräch in der Schule mit dem Schulleiter und der ADD. 

 

Der Schulleiter wollte weiterhin, dass der Linus nicht zur Schule kommt, trotz Begründung auf dem Attest und die Frau von der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ) sagte „Doch, das ist in Ordnung. Er kann in die Schule kommen.“.

 

Er kam dann in die Schule am 1.Schultag und hat mich schon nach der 1.Stunde angerufen und geweint und gesagt, für ihn ist es unerträglich. Er hat mir dann auch ein Video geschickt. Die haben ihn quasi hinter eine Plexiglaswand gesetzt, also es war schon fast wie ein Käfig. 

 

Und die haben ihn in der 1.Pause auch hinterm Lehrer herlaufen lassen (in der Hofpause). Er durfte auch mit niemandem sprechen. Dann war es so, dass ich gesagt habe „Ok, jetzt versuch’ den Tag irgendwie durchzuhalten. Dann kommst du nach Hause und dann guck’ ich, wie wir das regeln.“. 

 

Dann haben wir das so geregelt, dass der Linus Homeschooling machen darf, dass er also zu Hause bleiben kann, was auch sehr schwierig ist, weil ich da sehr viel organisieren muss. Ich muss mich darum kümmern, muss die ganzen Sachen ausdrucken, immer wieder hinschicken. Und es interessiert nicht wirklich den Lehrer, ob er da mitkommt oder nicht. 

 

Wir haben dann Nachhilfe organisiert. Die kommt dann 1-2x die Woche und hilft ihm. Aber ich muss sagen, dass diese Schule… Also ich habe jetzt keine Erfahrung mit anderen Schulen, aber die Schule ist sehr extrem, weil die haben auch im Sommer die Kinder im Freien Sport machen lassen mit Maske. 

 

Und obwohl es den Linus nicht betroffen hat – der hatte ja das Attest – hab’ ich dann das Gespräch gesucht mit dem Schulleiter und hab’ mir auch vom Kultusministerium schriftlich geben lassen, dass es nicht erlaubt ist, Sport im Freien mit Maske. Trotz allem hat er das weiter praktiziert und gesagt, wenn’s mir nicht passt, könnte ich mir eine andere Schule suchen. Ich wäre die Einzige, die sich darüber beschwert. 

 

Und ich sagte auch zu meinem Mann, dass es mich schockiert und dass ich entsetzt bin darüber, dass sich von den Eltern überhaupt niemand dagegen wehrt oder niemand mal seine Stimme erhebt. 

 

Und ich habe auch mit der Schul-Elternbeirätin Kontakt aufgenommen. Letztendlich war es dann so, dass sie mich blockiert hat bei WhatsApp, weil sie damit einverstanden war mit den Maßnahmen, da sie selber Risikopatientin ist und ihr Sohn schon die ganze Zeit diese FFP3-Maske trägt, auch zu Hause. Und das war auch was, was mich sehr schockiert und auch sehr traurig gemacht hat.

 

Maurice: Jetzt hast du dich sicher versprochen. Du hast gesagt „auch zu Hause“. Oder?

 

Nikole: Ja, doch. Das hat sie mir so geschrieben „Er trägt die auch zu Hause.“, weil sie ist Risikopatientin. Sie hat irgendwas mit dem Herzen und ihrem Sohn macht es auch nix aus. Dann haben wir da rumdiskutiert und letztendlich hat sie mich dann blockiert bei WhatsApp.

 

Maurice: Habe ich das richtig verstanden: Das Video deines Sohnes, wo er da in diesem „Käfig“ sitzt, was du mir zugeschickt hast: Dürfen wir das hier unter dem Video anhängen?

 

Nikole: Ja. 

 

Maurice: Ok. Damit jeder einfach ein Bild davon hat, wie das Ganze ausschaut, wenn wir von einem „Käfig“ sprechen. Und dann hast du noch erzählt, dass dein Sohn dann an diesem besagten 1.Schultag, wo er in diesem „Käfig“ saß, dem Lehrer auf dem Schulhof hinterherlaufen musste und mit keinem sprechen durfte.

 

Nikole: Ja.

 

Maurice: Kannst du das noch ein bisschen genauer beschreiben?

 

Nikole: Also das ist so: Der Lehrer läuft ja rum in der Hofpause auf diesem Pausenhof. Der bleibt ja nicht stehen. Und der Linus musste ihm halt folgen die ganze Zeit. Es hieß, der Schulleiter sagte, er muss dem Lehrer folgen. Und dann ist der Linus quasi die ganze Zeit dem Lehrer hinterhergelaufen und hat dann erzählt: Manche Kinder haben gelacht. Manche haben gesagt „Der Arme!“. Manche hatten schon Mitgefühl mit ihm.

 

Maurice: Es gibt mehrere solcher Geschichten. Vielleicht eine noch, weil mit Sicherheit haben nicht alle Menschen, die das Interview hier hören, die anderen alle gehört: Da gab es einen Jungen, der musste nicht dem Lehrer hinterherlaufen, sondern der musste draußen auf dem Pausenhof auf einem Stein sitzen bleiben und durfte dort, von diesem Stein, nicht mehr aufstehen.

 

Und dann gab es ein anderes Kind, das nicht mehr in der Klasse sitzen durfte, sondern musste auf dem Flur sitzen. Aber das „Tolle“ daran ist, die Tür blieb geöffnet, so dass der Junge vom Flur aus auf die Tafel schauen konnte.

 

Nikole: Wie krass!

 

Maurice: Also jetzt haben wir noch eine 3.Variante: dem Lehrer auf dem Pausenhof hinterher laufen. Das ist auch spannend.

 

Nikole: Ja, fand ich sehr schlimm.

 

Maurice: Und viele weitere Kinder durften gar nicht in die Pause gehen. Die musste z.B. im Klassenraum bleiben oder innerhalb des Schulgebäudes, so dass sie von den anderen Kindern isoliert blieben.

 

Nikole: Heftig! Der Linus hatte auch erzählt: Im Unterricht hatte er sich von einem Mitschüler einen Stift geliehen und dann hat die Lehrerin gesagt „Gib ihm sofort den Stift wieder zurück oder willst du deine Viren verbreiten?!“.

 

Maurice: Dann hat der Linus dem andern Kind den Stift, den er aber schon angefasst hatte, wieder zurückgegeben. Richtig?

 

Nikole: Ja.

 

Maurice: Was hat die Lehrerin denn dazu gesagt?

 

Nikole: Sie hat ja gesagt „Gib ihm sofort den Stift wieder!“. Dann hat sie ja nichts mehr gesagt.

 

Maurice: Das verstehe ich jetzt nicht so ganz, aber vielleicht bin ich auch nicht intelligent genug, um das zu verstehen, weil: Wenn man damit Viren verteilt, dann hat dein Sohn den Stift angefasst. Dann sind die Viren jetzt da drauf. Er hat den Stift zurückgegeben. 

 

Im Grunde genommen hat die Lehrerin ja jetzt grob fahrlässig gehandelt, weil sie hätte den Stift sofort in den Sondermüll werfen müssen, weil der ja kontaminiert ist oder sie hätte das ganze Ding desinfizieren müssen oder so was. Verstehst du das?

 

Nikole: Nee, also ich weiß nicht. An dieser Schule verstehe ich sowieso gar nichts mehr. Das ist mir auch suspekt das Verhalten von Lehrern, vom Schulleiter.

 

Maurice: Liebe Nikole. Irgendwie brauchen wir da nix hinzuzufügen. Ich glaube, was du erzählt hast, sagt alles. Da kann sich jeder seine Gedanken darüber machen. Ich find’s toll, dass du, wie gesagt, den Mut hast, hier mit mir zu sprechen, dass wir das öffentlich machen dürfen, das wir das teilen dürfen, so dass sich jeder einfach auch… 

 

Ich find’s wichtig, dass jeder einfach im Bilde darüber ist, was an Deutschlands Schulen momentan so passiert. Und dann kann ja jeder selbst seine Gedanken dazu machen, seine Schlüsse daraus ziehen und dementsprechend handeln.

 

Liebe Nikole, dann danke ich dir erst mal von ganzem Herzen. Vielleicht möchtest du noch einen Appell an Eltern oder auch an Kinder richten oder vielleicht auch an die Lehrer oder an die Schulleiter.

 

Nikole: Hm. Also mir sind eigentlich die Eltern wichtiger, als die Schulleiter oder Lehrer und ich würde mir wünschen, dass viel mehr Eltern aufstehen, sich dagegen wehren. Das wäre mein Wunsch und mein Appell.

 

Maurice: Prima, das möchte ich unterstützen. Das finde ich super. Liebe Nikole, wir bleiben in Kontakt und jetzt wünsche ich dir und deinen Kindern erst mal alles Liebe und Gute.

 

Nikole: Vielen Dank.

 

Maurice: Danke dir.

 

 

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Herzlichst, Dein Maurice