Interview mit der 10-jährigen Grundschülerin Julia 

„…ICH WILL AUCH, DASS MAN MENSCHEN NICHT MEHR SO LEICHT ANGST MACHEN KANN…“

 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich, ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und ich habe es mir in der Corona Zeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben und sie zu interviewen zum Thema „Maske tragen in der Schule“ und heute habe ich die 10-jährige Grundschülerin Julia bei mir. Herzlich willkommen, liebe Julia.

 

Julia: Danke.

 

Maurice: Liebe Julia, erzähl mal: wann musst du denn die Maske in der Schule tragen?

 

Julia: Also, bei uns ist das so: draußen müssen wir sie nicht tragen, aber sobald wir das Schulgebäude betreten und sobald wir den Platz in unserem Klassenzimmer... -  also sozusagen: also im Unterricht müssen wir die nicht tragen, solange wir an unserem festen Platz sitzen, aber wenn wir aufstehen, um mal kurz Bücher zu holen oder so, dann müssen wir die schon aufsetzen.

 

Maurice: Und dürft ihr zwischendurch was essen und was trinken?

 

Julia: Ja, in den 5-Minuten-Pausen halt, wie sonst auch, wie schon davor auch. Und: im Unterricht trinken ist auch gut, also ist auch ok.

 

Maurice: Ist auch in Ordnung?

 

Julia: Ja, aber nicht essen.

 

Maurice: Julia, welche Gedanken und Gefühle entstehen denn in dir, wenn du die die Maske trägst?

 

Julia: Ich fühle mich eingedrängt. Weil ich dann irgendwie das Gefühl hab`, als würde diese Maske mich irgendwie gefangen halten oder so. Weil ich kann die ja nicht mal kurz absetzen, wenn ich denke: „Ne, jetzt habe ich keine Bock mehr!“, sondern ich muss die so... aber ich muss die, wenn wir nicht draußen oder an unserem Platz arbeiten - im Klassenraum sind - muss ich die ja, muss ich die ja aufbehalten und deswegen fühl`ich mich da eingedrängt.

 

Maurice: Hast du bisher irgendwelche Symptome bei dir wahrnehmen können, wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten?

 

Julia: Also nicht direkt (lacht), Müdigkeit morgens, aber das ist nicht besonders (lacht). Und aber, dass man da manchmal nicht richtig Luft holen kann, sozusagen. Zum Beispiel wir sind nämlich ganz oben und dann haben wir nämlich immer nur fünf Minuten, um in unser Klassenzimmer zu kommen nach ganz oben und wenn man dann die Treppen hoch rennt, dann kann man gar nicht mehr richtig … so, dass es wieder normal ist: „chöchöchöchöch“ macht man die ganze Zeit, wenn man mit dieser Maske gar nicht mehr richtig Luft holen kann!

 

Maurice: Ja. Ist dir schon mal schwindelig geworden?

 

Julia: Hhm … nö, eigentlich nicht, aber wir tragen die ja auch nicht so ganz, weil wir haben ja auch nur drei mal die Woche acht Stunden und so und sonst nicht, also...

 

Maurice: Wie fühlst du dich denn, wenn du die Maske wieder absetzen darfst?

 

Julia: Na, äh, befreit? Meine Freundin und ich haben das sogar so, wenn wir so in die Hofpause, dass wir dann so „Freiheit!“ rufen, wenn wir so die Maske abnehmen.

 

Maurice: Ah, sehr schön.

 

Julia: Ja, das ist schon sehr schön, dass man dann auch wieder Luft bekommt und so, ja.

 

Maurice: Ja. Warum trägst du denn die Maske?

 

Julia: Weil … wir sonst...  also manchmal ist das... weil einmal ist eine Erzieherin tatsächlich handgreiflich an einem unserem Mitschüler geworden, weil der so... „Maske auf!“ und hat den so zurück gezogen in … als der so rein gehen wollte und vergessen hat, seine Maske aufzuziehen. Und da hab`ich halt Angst, dass die auch bei mir handgreiflich werden, wenn ich die jetzt nicht aufziehe und so und dann, ja, wär das halt nicht besonders toll.

 

Maurice: Du hast also Angst, dass Lehrer dir gegenüber handgreiflich werden – das hab ich so verstanden?

 

Julia: Ja. 

 

Maurice: Ok. Julia, würdest du die Maske auch tragen, wenn es nicht vorgeschrieben wäre?

 

Julia: Nein, auf keine Fall. Dann würde ich sie natürlich niemals tragen. Auch, wenn alle anderen sie tragen würden, solange, wenn es nicht vorgeschrieben wäre, dann würde ich das nicht tragen.

 

Maurice: Das ist eindeutig. Welche Gedanken und Gefühlen entstehen denn vielleicht in dir, wenn du andere Kinder oder andere Erwachsene im Bus und Bahn zur Schule mit der Maske siehst?

 

Julia: Hm. Also, so … wenn es zum Beispiel Pflicht wäre, wie das in der Schule ist, dann ist das tatsächlich so, dass ich schon denke: „In der Schule, ja, das ist normal.“, aber wenn ich zum Beispiel draußen auf der Straße Leute mit `ner Maske rumlaufen sehe, dann denke ich schon: „Alter, Leute, das ist unnötig, wieso macht ihr das?“ Das hat ... und ich glaub auch, dass andere sich - genau wie ich - sich da eingeengt fühlen, aber wieso machen sie`s dann, so dass sie irgendwie... und das finde ich auch doof, dass da irgendwie die Leute das wirklich schaffen, die dazu zu bringen, `ne Maske zu tragen, obwohl das gar keine Pflicht ist!

 

Maurice: Hm. Was denkst du, also wer hat sie dazu gebracht und wie haben sie sie dazu gebracht?

 

Julia: Also ... wie ist schon mal, also ich hab` nämlich letztens auch so `ne Werbung gesehen, da war so von wegen: „Tragt Masken!“ und so, „Das ist voll cool!“, „Das ist wie in `nem Raumschiff!“ (lacht) Und dann … das ist halt richtig, dass die, sozusagen, denen einreden: „Ja, das ist gut!“ Und dann sagen die auch: „Ja, wenn ihr es nicht macht, da wird was Schlimmes passieren!“, „Das hier, Corona, ist `ne  schlimme Seuche, das ist tödlich und dann sterben eure Großeltern und dann seid ihr dran schuld!“ Und dieses … und man fühlt, grade dieses: „Und dann seid ihr dran schuld!“, ist halt total doof, weil dieses Schuldgefühl will halt niemand haben, und deswegen trägt man ja auch die Masken.

 

Maurice: Hm. Also, dann haben wir einmal die Angst und einmal diesen Coolheitsfaktor.

 

Julia: Ja.

 

Maurice. Ok. Jetzt hast du gerade gesagt: „In der Schule ist das schon normal, dass man die Maske trägt.“ War das von Beginn an so oder hat sich die Normalität der Masken irgendwann erst eingestellt?

 

Julia: Die hat sich irgendwann erst ... also am Anfang mussten wir … also irgendwie war... also das war schon so, dass man`s musste, so nach diesen Coronaferien, sag ich jetzt mal, war das schon so, dass man diese Masken tragen musste, aber da war es noch … da hab ich es noch nicht als normal empfunden. Und ich dachte auch: „Ja, das dauert nur zwei Wochen, dann ist es vielleicht auch vorbei.“ Und dann ... und das versuch`ich mir immer noch einzureden, weil ich halt will, dass es vorbei ist! Und deswegen versuch`ich mir einzureden: „Ja, das ist bald vorbei!“, … was ... hab` ich leider nie Recht: das geht immer weiter!

 

Maurice: Ja, ich wünsche mir sehr und bin sehr zuversichtlich auch, dass das bald sein Ende finden wird.

 

Julia: Hm.

 

Maurice: Hm. Woher bekommst du denn deine Informationen bezüglich Corona?

 

Julia: Also ... das ist schwierig, weil (lacht) mein Vater ist gegen die Maßnahmen und meine Mutter ist für die Maßnahmen. Und ich glaub`auch weil, ich hab das öfter gehört, dass die Mütter eher so für diese Maßnahmen sind und so. Weil die halt, ich glaub` das ist auch, weil die diesen Beschützerinstinkt haben und wenn jemand einem dann sagt: „Ja, du kannst jemanden damit beschützen, wenn du diese Maske da trägst und so“, und: „Wenn du schön Abstand hältst und so“, dann … dann machen die es dann halt auch, weil … weil die halt glauben, damit können sie jemanden beschützen, weil`s ihnen so gesagt wird. 

 

Maurice: Aber dafür müssen die Eltern ja auch an das tötliche Virus glauben.

 

Julia: Ja und das entsetzt mich ja so, dass die sogar, dass man das sogar schaffen kann, dass man so `ne Menschen wie meine Mutter so dazu bringen kann, so was zu glauben.

 

Maurice: Julia, würdest du zur Zeit lieber zu Hause bleiben und Homeschooling in Anspruch nehmen oder weiterhin zur Schule gehen?

 

Julia: Ich würde gerne Homeschooling in Anspruch nehmen, weil das halt so ... weil Zuhause muss ich keine Masken tragen, erstens. Zweitens finde ich dieses System mit Noten und so eh doof, weil dann wird einem Kind eingeredet: „Du bist schlechter als jemand, der hier jetzt überall `ne Eins hat“. Und das finde ich halt auch doof. Und … und dann Zuhause den ganzen Tag so mit seinen Eltern zu verbringen, ist ja auch toll! Da kann man auch ... weil dieses … Zum Beispiel: meine Eltern müssen ja auch noch arbeiten, da sehe ich die drei Stunden am Tag oder so und ja, das finde ich auch doof, das ist mir zu wenig.

 

Maurice: Ja, du würdest lieber gern mehr Zeit mit deinen Eltern verbringen, ja.

 

Julia: Ja.

 

Maurice: Sehr schön. Julia, hast du einen Wunsch: in Bezug auf Corona oder allgemein?

 

Julia: Also, ja klar, also ich würd`... ja ich will, dass dieses Ganze hier aufhört, dass … dass man Menschen … ich will auch, dass man Menschen nicht mehr so leicht Angst machen kann, dass die irgendwann auch aufstehen und sagen: „Hey, wir machen jetzt, was wir wollen und niemand kann uns von unserer Meinung abbringen!“, und so. Das wär`schon cool, allgemein und nicht nur bei Corona, sondern so. Weil, die hören ja ... irgendwie sind auch Menschen eher so `ne Wesen, die ... die ... sie wollen halt Gemütlichkeit und da ist es halt gemütlicher, auf das zu hören, was ihnen gesagt wird, als selbst nachzudenken, weil (lacht) das ist denen zu anstrengend.

 

Maurice: Hm. Dann glaubst du, dass mehr Menschen sich selbstständig informieren sollten.

 

Julia: Ja. Weil … jetzt guck mal ... wenn man zum Beispiel … wenn man die ganze Zeit so einfach auf jemanden hört, dann, dann kann man den... dann hört man ja auf selbst zu denken und dann kann man denen, dann kann man denen sagen: „Ja, fünf plus fünf ist dreiundzwanzig.“, irgendwann. Und dann würde es irgendwann so weit gehen, dass die das glauben. Dann würde das irgendwann ... dann würden die wirklich glauben: „Fünf plus fünf ist dreiundzwanzig.“ Weil sie nicht selber logisch nachdenken würden, sondern einfach sagen: „Hey, mein bester Kumpel Kevin hat mir gesagt: `Fünf plus fünf ist dreiundzwanzig! Deswegen stimmt das auch, weil: Kevin hat immer Recht`,(lacht)“.

 

Maurice: Recherchierst du bezüglich Corona auch selbstständig?

 

Julia: Ja, also nich´ ganz (lacht), sorry (lacht), sondern: also mein Vater sagt mir so Dinge und sagt mir so: „Ja, da kannst du doch mal vorbei gucken.“ Und da guck ich dann vorbei und denk mir so: „Hey, was der Typ da sagt, das ist logisch, das stimmt!“. Und dann … und dann...

 

Maurice: Vergleichst du dann Berichte miteinander?

 

Julia: Ja schon, weil zum Beispiel, wenn ich mir, wenn ich mir jetzt so`n Video angucke, wo jemand sagt: „Hey, Maske und Händewaschen ist deswegen gut, weil …“, und dann versuchen die halt irgendwelche Begründungen zu finden, nä, und dann seh`ich … und dann seh` ich mir ´nen Video an, wo jemand sagt: „Ja, das, das bringt grade nichts, weil ...“, und dann kann es ja nicht sein, dass beides stimmt. Und deswegen guck ich mir, welche der, welche der beiden Antworten logischer ist. Und was dann, ja, und was dann logischer ist, da guck` ich nochmal sozusagen tiefer rein, und guck`mir Videos von Leuten an, die genau das Gleiche sagen und dann vielleicht findet man mehr Begründungen dafür. Und dann ist es wirklich, dann ist es wirklich sozusagen bewiesen, dass das so ist.

 

Maurice: Julia, du bist 10 Jahre alt, 10 Jahre jung muss man sagen. Du recherchierst, du nimmst dir die Zeit, du machst dir die Mühe, zu vergleichen -  das finde ich mega cool! Und da können sich viele ein Beispiel dran nehmen, viele Erwachsene. Julia, ich danke dir vielmals für das tolle Interview! Danke dir, dass du dir die Zeit dafür genommen hast und wünsche dir erst mal alles Liebe und Gute und hoffe, dass dein Wunsch, den ich ganz toll finde, bald in Erfüllung geht.