"CORONA IST MIR PUPSEGAL!"

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich, ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und ich habe es mir in der Corona zeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, Interviews mit Kindern zu führen, zum Thema Masken tragen in der Schule. Und heute freue ich mich ganz besonders die 8-Jährige Leonie bei mir zu haben und Leonie besucht eine Grundschule. Herzlich willkommen liebe Leonie.

Leonie: Hallo

Maurice: Schön, dass du da bist und vielen vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst.

Leonie: Bitteschön.

Maurice: Liebe Leonie, wir starten gleich mit der ersten Frage. Erzähl mir doch mal, wann du die Maske in der Schule tragen musst?

Leonie: In der Pause, im Schulgebäude, wenn andere Kinder aus anderen Klassen dazu kommen, halt wenn wir was spielen, dann müssen wir die Masken tragen und eigentlich sonst nirgendwo.

Maurice: Wir haben ja im Vorfeld schon kurz mit einander gesprochen und da hast du mir erzählt, dass ihr am Anfang die Maske auch im Unterricht tragen musstet. Das ist richtig, oder?

Leonie: Ja

Maurice: Okay und erzähl mal, welche Gedanken und welche Gefühle in dir auftauchen, wenn du die Maske trägst?

Leonie: Also, ich kann nicht mehr so gut atmen und ich kann mich auch nicht mehr so gut konzentrieren und mir wird dann ganz heiß.

Maurice: Leonie geht es anderen Kinder in deiner Klasse genauso wie dir? Berichten sie dir auch davon, dass ihnen heiß wird, dass sie schlechter atmen können und dass sie Konzentrationsschwierigkeiten haben?

Leonie: Also wir reden gar nicht darüber.

Maurice: Ihr redet nicht darüber, okay. Leonie erzähl mir mal, wann dürft ihr denn in eurer Schule essen und trinken?

Leonie: Eigentlich nur in der Frühstückspause.

Maurice: Eigentlich nur in der Frühstückspause?

Leonie: Ja.

Maurice: Zwischendurch auf dem Schulhof dürft ihr nichts essen und nichts trinken?

Leonie: Nein.

Maurice: Und wann ist eure Frühstückspause? Um wieviel Uhr?

Leonie: Das weiß ich nicht, aber eigentlich immer nach der ersten Stunde.

Maurice: Nach der ersten Stunde, okay. Und wie lange habt ihr Schule ungefähr? Bis 12 Uhr? Bis 13 Uhr?

Leonie: Wir haben immer unterschiedliche Stunden. Wenn wir nur vier Stunden haben, dann bis 11:30 Uhr.

Maurice: Und habt ihr manchmal auch mehr als vier Stunden?

Leonie: Ja, Fünf. Wir haben nur am Montag 4 Stunden.

Maurice: Und die anderen Tage mehr?

Leonie: Da haben wir fünf Stunden. Außer Freitag, da haben wir 6 Stunden.

Maurice: Und da dürft ihr auch nur einmal in der Frühstückspause essen und trinken?

Leonie: Am Freitag da haben wir auch goldene Zeit, da können wir Spiele spielen, da können wir essen und manchmal gehen wir raus, dann dürfen wir nicht essen in der Pause.

Maurice: Und an den anderen Tagen? Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, da dürft ihr tatsächlich nur in der Frühstückspause essen und trinken?

Leonie: Ja.

Maurice: OK, verstanden. Und Leonie erzähl mir mal, warum trägst du eigentlich die Maske?

Leonie: Ich soll andere schützen und andere sollen mich auch schützen.

Maurice: Wer hat dir das denn gesagt?

Leonie: Die Lehrer.

Maurice: Die Lehrer haben dir das gesagt.

Leonie: Meine Familie, also Oma, Opa, Tante, also die Tanten und Onkels.

Maurice: Und bist du selbst auch davon überzeugt, dass du andere und dich schützen musst?

Leonie: Nö, mir ist eigentlich Corona Pupsegal.

Maurice: Pupsegal ist dir Corona?

Leonie: Ja.

Maurice: Okay, dann denkst du also, dass Corona nicht so gefährlich ist?

Leonie: Ja.

Maurice: Okay. Kannst du vielleicht kurz sagen, warum du das denkst? 

Leonie: Weil Kinder tut Corona nicht’s. Die können ja nicht krank werden von Corona.

Maurice: Wo hast du das gehört? Oder wer hat dir das gesagt?

Leonie: Meine Eltern.

Maurice: Und warum denkst du, müssen die Kinder trotzdem eine Maske in der Schule tragen?

Leonie: Weil die Lehrer Angst haben.

Maurice: Und findest du das in Ordnung oder Fair, dass Kinder in der Schule eine Maske tragen müssen?

Leonie: Ich finde das gar nicht nicht in Ordnung und auch gar nicht fair.

Maurice: Und wie findest du das, dass du nur einmal in der Frühstückspause essen und trinken darfst?

Leonie: Auch doof! Ich hätte gern zwei Frühstückspausen.

Maurice: Leonie wie fühlst du dich denn, wenn du die Maske wieder abnehmen darfst?

Leonie: Dann kann ich erstmal besser atmen, dann kann ich mich auch besser konzentrieren und dann geht es mir halt besser. Dann kann ich auch besser spielen.

Maurice: Und du hast gerade schon gesagt, dass du von Oma und Opa Informationen bekommst. Von wem bekommst du denn noch Informationen über Corona?

Leonie: Von meinen Lehrern.

Maurice: Von deinen Lehrern. Und von Mama und Papa wahrscheinlich auch, ne?

Leonie: Ja. Und manchmal auch im Fernsehen und von meinen Cousinen und Cousins auch.

Maurice: Und Leonie, wie findest du das denn oder welche Gedanken und Gefühle tauchen in dir auf, wenn du andere Kinder mit Maske siehst oder auch wenn du Erwachsene in Bus und Bahn und in Gebäuden mit Maske siehst?

Leonie: Das siehst so aus, als ob die das gar nicht interessieren würde und dass das halt auch irgendwie doof aussieht, dass die halt auch ein bißchen traurig aussehen.

Maurice: Die Leute sehen ein bißchen traurig aus, meinst du?

Leonie: Ja.

Maurice: Und du meinst, dass die das gar nicht interessiert, dass sie eine Maske aufhaben, dass ihnen das gar nichts mehr ausmacht?

Leonie: Ja, das sieht so aus.

Maurice: Und entsteht da in dir ein Gefühl, wenn du die ganzen Leute mit Masken siehst?

Leonie: Dann denke ich so, dass Corona nie mehr aufhört, dass es für immer bleibt.

Maurice: Okay. Liebe Leonie, ich danke dir schonmal von ganzem Herzen für deine Zeit. Möchtest du mir noch irgendwas erzählen, was ich vielleicht nicht gefragt habe, was für dich ganz ganz wichtig ist?

Leonie: Ja, wenn ich Lehrerin wäre, dann würde ich keine Masken anziehen für die Kinder, weil Kindern ja gar nichts passieren kann bei Corona.

Maurice: Okay, dann wünsche ich dir alles alles Gute und hoffe, dass das mit dem Maske tragen ganz schnell wieder aufhört.

Leonie: ja, Dankeschön.

Maurice: Mach’s gut. Ciao.

Leonie: Tschüss.