Kopfschmerzen und Schwindel - Lehrer sagen: „Egal! Behalte die Maske an! Das kommt nicht von der Maske!

 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und ich habe es mir in der Coronazeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie zum Thema Maske tragen in der Schule zu interviewen und ihre Gedanken und ihre Gefühle zu erfragen.

 

Heute habe ich die 12-jährige Leyla bei mir. Herzlich willkommen liebe Leyla.

 

Leyla: Hallo.

 

Maurice: Leyla, die allererste Frage, die ich an dich habe, ist: Wann musst du denn in deiner Schule die Maske tragen?

 

Leyla: Also ich musste nach den Ferien Maske tragen in den Pausen und ich glaube vor 2 Wochen fing’s an, dass wir sie auch während des Unterrichts tragen müssen.

 

Maurice: Ok, das bedeutet, ihr tragt im Prinzip jetzt die ganze Zeit die Maske?

 

Leyla: Ja. 

 

Maurice: Mhm. Wie viele Schulstunden hast du so im Durchschnitt?

 

Leyla: Also im Durchschnitt habe ich so ungefähr 6 Stunden.

 

Maurice: Mhm. Leyla, wie geht’s mit der Maske? Welche Gedanken und welche Gefühle entstehen denn in dir, wenn du sie tragen musst?

 

Leyla: Also ich finde die Maske stört bisschen den Unterricht, weil es gibt da z.B. Leute, die ziehen die Maske unter die Nase und da muss halt die Lehrerin immer den Unterricht kurz unterbrechen und sagt dann „Nimm die Maske über die Nase.“ und dann fragt sie auch manchmal „Wo bin ich gerade stehengeblieben?“. Und letztens, also heute wurde einer sogar fast nach Hause geschickt, weil er die Maske unter der Nase hatte.

 

Maurice: Ah ok.

 

Leyla: Ja.

 

Maurice: Gut. Das betrifft jetzt so den Unterricht. Das ist was Allgemeines. Da kann ich dich absolut verstehen, dass das nervig, wenn es immer um das Gleiche geht. Aber wie geht’s DIR mit der Maske?

 

Leyla: Mir geht’s sagen wir mal nicht so gut mit der Maske, weil mich stört auch diese Maske und da wir das… Also manchmal oder oft, wenn ich nach Hause komme von der Schule, da habe ich Kopfschmerzen und manchmal ist mir sogar bisschen schwindlig. 

 

Maurice: Kopfschmerzen und Schwindel. Davon haben mir schon ganz viele andere Kinder berichtet. 

 

Leyla: Ja und ich glaube nicht, dass es aus gesundheitlichen Gründen kommt. 

 

Maurice: Mhm. Also du denkst… Woher kommt das?

 

Leyla: Von der Maske.

 

Maurice: Ok. Ja. Leyla, trägst du die Maske denn jetzt noch oder…? 

 

Leyla: Also ich habe ein Attest, aber ich trage noch die Maske. Gestern habe ich mal meine Lehrerin gefragt, wie sie reagieren würde, wenn ich mit einem Attest ankomme, dass ich keine Maske mehr tragen muss. Sie war dann relativ höflich und hat dann gesagt, sie würde mich an einen Extraplatz setzen, wo ich Abstand von meinen Mitschülern habe. 

 

Also ich finde, sie hat sehr verständnisvoll reagiert, weil ich habe dann auch noch eine andere Lehrerin gefragt, wie es bei ihr im Unterricht wäre und sie hat gesagt, dass ich das mit dem Direktor von der Schule abklären soll, ob das geht mit der Maske oder nicht. Und ja… 

 

Maurice: Hast du es dann mit deinem Rektor abgeklärt?

 

Leyla: Nein, noch nicht. Deswegen sitze ich auch noch mit einer Maske leider im Unterricht.

 

Maurice: Mhm. Warum hast du es bisher nicht abgeklärt?

 

Leyla: Weil ich… Also ich wollte meiner Klassenlehrerin erst mal noch mal mit dem Attest ankommen, das mal am Freitag mitnehmen, weil am Freitag habe ich erst wieder meine Klassenlehrerin. Und dann würde ich mal gucken, wie das so ist quasi ohne Maske. Und wenn ich keine Maske tragen muss, muss ich natürlich den Abstand halten und wahrscheinlich nehme ich erst das Attest mit am Freitag.

 

Maurice: Wie lange hast du das Attest schon? Ungefähr.

 

Leyla: Seit letzter Woche ungefähr.

 

Maurice: Mhm. Gut. Dann hättest du den ja quasi schon längst „einlösen“ können, deinen „Freifahrtschein“.

 

Leyla: Ja, aber da waren ja Herbstferien dazwischen und da… 

 

Maurice: Ja. Ich höre da so ein paar Befürchtungen heraus, wenn du das erzählst, aber du hast sie noch nicht ausgesprochen. Kannst du das noch mal ganz klar sagen, welche Befürchtungen du hast, wenn du dein Attest benutzt und ohne Maske in die Schule gehst?

 

Leyla: Also meine Befürchtung ist, dass mich unser Direktor wahrscheinlich nicht lässt, weil der sagt wahrscheinlich „Ok, aber es ist so, wenn das Gesundheitsamt kommt und kontrolliert, dann muss ich wieder diskutieren mit denen wahrscheinlich.“ und darauf wird er wahrscheinlich keine Lust haben. Also das stelle ich mir jetzt vor und deswegen wird er wahrscheinlich das Attest nicht akzeptieren.

 

Maurice: Ja. Möchtest du der Abweisung deines Schulleiters ausweichen oder hast du Angst vor dem Konflikt, der eventuell entstehen könnte?

 

Leyla: Also unser Direktor ist halt gerade nicht da. Deswegen ist gerade unser stellvertretender Direktor da und der ist halt etwas strenger und deswegen ist meine Befürchtung, dass er mich nicht mit dem Attest durchgehen lässt, also, dass er es nicht akzeptieren wird.

 

Maurice: Ok, verstehe. Danke dir Leyla für die Erklärung. Wie geht’s dir denn damit, wenn du die anderen Kinder mit der Maske siehst?

 

Leyla: Also ich habe ehrlich gesagt Mitleid, weil es gibt wirklich Leute, die sehr schwierig unter der Maske Luft kriegen und ja, die tun mir halt echt leid. Wenn die dann auch noch Kopfschmerzen haben und die sagen das den Lehrern. 

 

Weil es gibt Lehrer, die reagieren da nicht so gut drauf und sagen dann „Egal! Behalte die Maske an! Das kommt nicht von der Maske!“. Ja, da habe ich schon manchmal Mitleid, auf jeden Fall.

 

Maurice: Das heißt, dir haben mehrere Schüler berichtet, dass sie Symptome haben, wie Kopfschmerzen und…

 

Leyla: Ja.

 

Maurice: Und die Lehrer sagen das, was du gerade gesagt hast?

 

Leyla: Ja, schon, also zumindest die Lehrer, die wir haben.

 

Maurice: Ja. Hat das 1 Lehrer gesagt? Haben das mehrere Lehrer gesagt?

 

Leyla: Hm. Also die meisten Lehrer sagen „Ok. Das ist nicht unsere Vorgabe. Wir müssen sie auch tragen.“ und so. Ja, das sagen die halt meistens.

 

Maurice: Mhm. Ok und von wie vielen Lehrer hast du schon gehört, von wegen …

 

Leyla: Also es gab 1-2, die gesagt haben, dass die kurz raus an die frische Luft dürfen, aber der Rest hat dann gesagt „Behalte die Maske an!“.

 

Maurice: „Das kommt nicht von der Maske.“ - Das haben die meisten gesagt?

 

Leyla: Ja, das haben die meisten gesagt.

 

Maurice: Ok. Leyla, würdest du zur Zeit lieber zu Hause bleiben oder weiter zur Schule gehen?

 

Leyla: Also für mich wär’s auch ok, wenn ich wieder Online-Unterricht hätte, also zu Hause bleiben würde. 

 

Aber ich finde es auch nicht ok, wenn Leute wirklich Schwindel haben von den Masken und die nicht raus dürfen kurz die Maske runterziehen und vielleicht ans Fenster. Das ist auch schon ok, aber noch nicht einmal mehr das dürften die.

 

Maurice: Ja, das geht gar nicht.

 

Leyla: Ja, das finde ich inakzeptabel.

 

Maurice: Ja, ist es auch. Leyla, mich würde noch interessieren: Wie informierst du dich zum Thema Corona?

 

Leyla: Also meistens durch meine Mutter. Also ich frage die oft, was gerade passiert in Corona, weil die informiert sich oft, weil die Zeitung gerade oft liest und die Nachrichten auch oft anschaut. Ja, darüber informiere ich mich halt. Manchmal recherchiere ich sogar am PC, wenn ich mal am PC bin und dann gucke ich nach, was gerade so abläuft.

 

Maurice: Mhm. Und vergleichst du da auch Dinge miteinander?

 

Leyla: Also es gibt schon manche Seiten, die was anderes schreiben, z.B. die eine Seite schreibt jetzt „Ihr dürft die Masken ausziehen, wenn ihr rausgeht, müsst halt Abstand halten.“ Und die anderen sagen wiederum, dass wir die Masken auf jeden Fall anziehen sollen und, dass es auch für längere Zeit so bleiben wird. Also in Klammern. Ich hoffe jetzt mal nicht, dass es für längere Zeit so bleibt.

 

Maurice: Also du vergleichst schon Artikel miteinander und erkennst dann auch, dass die durchaus unterschiedlich sein können.

 

Leyla: Ja, schon.

 

Maurice: Ok. Leyla, was wünschst du dir in Bezug auf Corona oder auch allgemein?

 

Leyla: Dass auf jeden Fall die… Weil viele Leute versetzen sich auch in Angst vor den Fallzahlen, weil es gerade immer mehr werden und viele Leute bekommen dann halt auch Angst und das finde ich halt schlecht, dass die quasi uns Angst einjagen so in der Art. 

 

Ich wünschte mir, dass viele Leute, denen es so geht, die Angst vor den Fallzahlen haben, dass die einfach akzeptieren was da steht, dass die keine Angst haben oder einen Schrecken bekommen, nur wegen den Fallzahlen. Weil, ich glaube, dass so viele pro Tag gar nicht stimmen kann.

 

Maurice: Mhm. Hast du das auch so ein bisschen recherchiert und mit deiner Mutter besprochen mit den Fallzahlen?

 

Leyla: Ja, habe ich.

 

Maurice: Super, sehr gut. Und deswegen macht es dir keine Angst.

 

Leyla: Nicht so viel. Also ich habe Respekt. Es ist ok, dass man sich die Maske natürlich... Also es gibt auch Leute, die sind für die Masken. Z.B., letztens war einer bei mir und den habe ich gefragt „Bist du für oder gegen die Masken?“. Und der hat gesagt „Ich bin für die Masken.“. 

 

Und ich habe gefragt „Warum?“. Und die oder der hat gesagt, dass die Masken schon was helfen und wenn manche Leute Kopfschmerzen haben, dass die nicht gleich zum Lehrer gehen sollen. Und das fand ich auch ein bisschen blöd von der Person.

 

Maurice: Ja, es entspricht einfach nicht der Wahrheit.

 

Leyla: Nee, das entspricht gar nicht der Wahrheit, weil natürlich darf man sagen, wenn man Kopfschmerzen hat, dass man zur Lehrerin gehen und fragen darf, ob man kurz raus geht, weil das hätte ich auch ohne Maske gesagt. Hätte ich keine Maske an und es wäre kein Corona, dann hätte ich auch das gesagt der Lehrerin, dass ich Kopfschmerzen hätte und, dass mir schwindlig ist.

 

Maurice: Liebe Leyla, gibt es noch irgendetwas, das du mir gern erzählen würdest, was ich vielleicht nicht gefragt habe? Irgendein Ereignis?

 

Leyla: Ja, z.B. ich sitze seit vorletzer Woche mit einer Decke im Unterricht, weil wir alle 20 Minuten lüften müssen und da es ja Winter ist, ist es halt immer kalt und es wird immer kälter im Klassenzimmer. Und deswegen sitze ich mit einer Decke im Unterricht. 

 

Dann wurde ich gleich mal von der Lehrerin gefragt, ob mir nicht ein Pulli reichen würde. Und dann habe ich gesagt „Es ist kalt. Ok, ich kann mir einen Pulli anziehen, aber ich persönlich finde es kalt draußen im Winter.“ und es ist ja auch logisch, dass es im Winter kalt ist. Und deswegen habe ich die Decke mitgenommen.

 

Maurice: Also, vielleicht das ganz kurz: Ralf Ludwig hat’s gestern gesagt. Es gibt eine Temperatur, an die man sich halten muss innerhalb von Klassenräumen und die beträgt meiner Meinung nach 20°C.

 

Leyla: Ja, so was in der Art.

 

Maurice: Gut. Ah, hast du es gesehen?

 

Leyla: Ja, aber ich weiß auch durch Recherchen, wie viel Grad es im Klassenzimmer sein muss.

 

Maurice: Super, dann ich von dir noch was lernen, weil ich habe es davor nicht gewusst, weil ich mich einfach nicht damit beschäftigt habe.

 

Also 20°C. D.h., ein Kind nimmt sich jetzt ein Thermometer mit ...

 

Leyla: Mhm.

 

Maurice: und kontrolliert die Temperatur. Und wenn die unter 20°C ist im Klassenraum, dann sagt er das der Lehrerin. Ihr schließt euch zusammen. Es gibt mit Sicherheit noch mehrere Kinder, denen  ...

 

Leyla: Oh ja.

 

Maurice: D.h., du kannst es in die Hand nehmen, du sprichst mit den anderen Kindern, erzählst ihnen von der Temperatur, nimmst das Thermometer mit. Dann messt ihr das und dann schließt ihr euch zusammen, steht gemeinsam auf, geht zur Lehrerin und sagt „Wir wollen hier die 20°C haben. Die sind vorgeschrieben. Die wollen wir haben. Das ist unser Recht.“.

 

Leyla: Ja, wäre eine gute Idee.

 

Maurice: Ja, probiert es doch mal aus.

 

Leyla: Ja, könnte ich gleich mal sagen.

 

Maurice: Super. Ja, liebe Leyla, ein sehr interessantes inspirierendes Interview mit dir.

 

Leyla: Danke.

 

Maurice: Ich danke dir für deine Zeit, für deinen Mut, heute hier mit mir zu sprechen.

 

Leyla: Ich danke auch dir dafür.

 

Maurice: Sehr gerne.

 

Leyla: * lacht *

 

Maurice: Und dann wünsche ich dir für die Zukunft erst mal alles Liebe und Gute.

 

Leyla: Dir auch.

 

Maurice: Danke dir.

 

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