Da wurde das extra drum gebaut und da ist eine Tür, wodurch wir durchgehen und immer morgens, da quetschen sich alle durch und da sind wir direkt nebeneinander. Vorher haben die immer gesagt: Abstand ist wichtig! Den müsst ihr einhalten!“, aber da interessiert es irgendwie keinen, wenn wir da direkt nebeneinander, alle Klassen durchgehen.

 

 

Maurice: Mein Name ist Maurice Janich. Ich bin Pädagoge und Visualisierungstherapeut. Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und ich habe es mir in der Coronazeit zur Aufgabe gemacht, Kindern eine Stimme zu geben, sie zu ihren Gedanken und Gefühlen zu befragen. 

 

Und heute habe ich die 11-jährige Annika bei mir. Ich freue mich sehr. Herzlich willkommen liebe Annika.

 

Annika: Hallo.

 

Maurice: Annika, erzähl’ mir doch mal, wann du die Maske in der Schule tragen musst.

 

Annika: Das war ab den Sommerferien. Da waren ja die Tage immer… Also nach den Sommerferien mussten wir wieder normal in die Schule und ab da sollten wir dann wieder die Maske tragen. Wir hatten dann auch einen großen Klassenraum, in dem wir Einzeltische hatten, aber mit nicht sehr viel Abstand. Vielleicht so immer gleich ungefähr. 

 

Aber davor im Mai, oder so, als wieder die Schulen angefangen haben zu öffnen, hatten wir eine etwas größere Klasse und deswegen wurde sie nur in 2 geteilt. Und ich war in der 1.Gruppe und da hatten wir einen etwas kleineren Klassenraum, aber da war immer zu jedem anderen der Abstand größer und deswegen durften wir auch die Maske abtun.

 

Maurice: Und jetzt, wo ihr Einzeltische habt und der Klassenraum nicht so groß ist und dementsprechend auch der Abstand von Tisch zu Tisch nicht so groß ist: Müsst ihr da die Maske tragen oder dürft ihr sie da auch abnehmen?

 

Annika: Also ab dem 1.September war das ja, dass wir die auch abnehmen durften, aber unser Schulleiter hat gesagt, dass die wollen, dass die weitergetragen wird, aber ich mit 3 anderen, haben dem Schulleiter einen Brief und Email geschrieben, wo drin stand, dass wir die nicht tragen, weil es keine Pflicht mehr ist. 

 

Dann hat mein Klassenlehrer uns nach hinten gesetzt, aber die 4.Person kam erst ein bisschen später dazu. Dann durften wir da die Maske abtun.

 

Maurice: Wow! D.h. ihr habt selbst die Initiative ergriffen, habt Briefe und Emails geschrieben und habt die an die Schule geschickt.

 

Annika: Also unsere Eltern.

 

Maurice: Gut, aber ihr habt mitgewirkt, oder?

 

Annika: Ja.

 

Maurice: Super. Sehr schön. Und wie ist es jetzt im November? Trägst du da eine Maske in der Schule oder immer noch nicht?

 

Annika: Doch, weil wir müssen sie ja wieder tragen und weil… Wir haben nämlich 2 Klassenlehrer und unsere andere Klassenlehrerin hat gefragt, ob wir uns irgendwie anders hinsetzen wollen, weil wir alle wieder die Maske tragen, dürfen wir ein bisschen die Plätze ändern. 

 

Dann haben wir Tischreihen zusammengeschoben und in der Mitte ist ein Durchgang und rechts und links die Tischreihen.

 

Maurice: Ok. Wie geht’s dir denn mit der Maske? Welche Gedanken und welche Gefühle entstehen in dir, wenn du die Maske trägst?

 

Annika: Ich glaube, das war sogar am 1.Montag, wo wir Schule hatten, da hatte ich Kopfschmerzen und auch so ein bisschen Schwindel und das Mädchen, das vor mir saß, hatte auch zu mir gesagt – die ist nämlich rausgegangen an die frische Luft – als ich sie gefragt habe, was los ist, dass sie Kopfschmerzen hätte und Schwindel auch. 

 

Dann ist sie nach Hause gegangen und ich dann auch etwas später. Aber jetzt ist auch irgendwie Kopfschmerzen, aber nicht jeden Tag mehr, aber auch manchmal Schwindel. Und ich bin manchmal sehr müde.

 

Maurice: Ok. Also du bist müde, hast Kopfschmerzen und dir ist schwindlig. Wie oft hast du Kopfschmerzen und wie oft ist dir schwindlig ungefähr?

 

Annika: Also der Schwindel ist nicht immer da, sondern nur wenn ich richtig Kopfschmerzen habe. An manchen Tagen habe ich das nicht, aber an manchen schon.

 

Maurice: Und die Kopfschmerzen? Wie oft hast du Kopfschmerzen?

 

Annika: Es ist unterschiedlich. Wenn ich z.B. irgendwie die 1./2. Stunde frei hatte, dann ist es etwas weniger, weil ich da weniger Schule habe, aber dann bin ich auch zu Hause und ich mache irgendwas. 

 

Also ist das meistens da nicht, sondern wenn ich irgendwie 6 Stunden habe, dann fängt das manchmal morgens an, aber das ist nicht immer so und irgendwann, wenn es heiß im Klassenraum ist, weil die Fenster wieder zu sind, dann kommt das manchmal und bei den Arbeiten auch.

 

Maurice: Ja, verstehe. Annika, wie war das denn vor der Zeit mit der Maske? Hattest du da auch Schwierigkeiten mit Kopfschmerzen und Schwindel?

 

Annika: Das war manchmal, also schon bei ein paar Arbeiten, weil ich dann aufgeregt war und nervös, aber danach ging’s wieder besser.

 

Maurice: Und im normalen Klassenunterricht?

 

Annika: Ja, auch. Also da nicht, nur manchmal, wenn ich irgendwie einen schlechten Tag oder so hatte.

 

Maurice: Dann ist die Frage: Ist es häufiger geworden mit den Kopfschmerzen und dem Schwindel?

 

Annika: Also ab dem wir die Masken getragen haben, nach den Sommerferien: Da schon öfters, ja.

 

Maurice: Ok. Annika, wie geht’s dir, wenn du die anderen Menschen mit der Maske siehst?

 

Annika: Manchmal denke ich mir so bei den Größeren, die, keine Ahnung, 12.Klasse oder so sind: Die haben manchmal ja 8 Stunden und dann tun die mir manchmal auch leid, weil sie die ganze Zeit da sitzen müssen und ich habe dann viel kürzer.

 

Maurice: Ja, hatte nur deine Freundin von Symptomen wie Kopfschmerzen und Schwindel erzählt oder auch andere Kinder? Weißt du von anderen Kindern, die auch Symptome aufweisen?

 

Annika: Nee, eine hat glaube ich mal gesagt, dass sie Kopfschmerzen hätte, aber keine weiteren.

 

Maurice: Ok. Sprecht ihr miteinander in der Schule über das Thema Corona oder über das Masketragen, ihr Schüler untereinander?

 

Annika: Eigentlich nicht in den Pausen, aber bevor wir diese Reihen hatten, da war so ein Junge vor mir und der hat immer zu mir und meiner Freundin gesagt, oder zu irgendjemandem, als wir die Masken nicht anhatten „Maske auf!“. Also so Ironie-mäßig, aber das ist irgendwie nicht witzig, wenn er das immer sagt.

 

Maurice: Ja, verstehe ich. War das der Einzige, der so was gemacht hat oder noch mehrere Personen?

 

Annika: Nein, eher nicht, sondern er hat das nur mit seinem Freund so gegenseitig gemacht.

 

Maurice: Ok. Wie fanden das denn deine Klassenkameraden, dass du die Maske nicht getragen hast eine Zeit lang und dich nach hinten gesetzt hast? Fanden die das gut oder nicht?

 

Annika: Also es war eigentlich relativ manchen, also gefühlt allen, egal, außer ein Junge, der hat sich zu uns umgedreht… Also bevor wir 4 wurden, hat er gesagt „Schande!“ oder so was, dass wir die nicht tragen. Und als sich die 4.Person hingesetzt hat, hat er direkt zu ihm gesprochen und hat gesagt, ob er sich nicht schämt oder so.

 

Maurice: Wie hast du dich dabei gefühlt?

 

Annika: Also ich fand’s wirklich komisch, weil ich hätte… Das ist irgendwie normal, wenn man die runter tut. Die anderen hatten sie auf. Sie konnten sie auch abtun, wenn sie wollen, aber er hatte sie unten und das ist nicht so schön, wenn man das hört.

 

Maurice: Mhm. Was denkst du, warum haben die anderen nicht die Maske abgenommen?

 

Annika: Ich glaube, weil da war eine Leherin, die hat immer gesagt „Bitte Maske oben haben und über die Nase ziehen!“, hat sie manche Kinder ermahnt. Und die hat auch irgendwie angedeutet, „Wenn ihr die Masken, also wenn der größte Teil nicht die Maske trägt...“, dann hätte sie Angst und auch ein bisschen angedeutet, dass, wenn ihre Mutter krank wird, dann ist es unsere Schuld.

 

Maurice: Denkst du, das war der Grund, warum die anderen Kinder die Maske nicht abgenommen haben?

 

Annika: Ja, ich glaube schon. Und dann kam eine Vertretung dazu, die etwas länger blieb und die sagte auch so was, aber die war gar nicht so wie die andere. Die andere war nämlich so „Könntest du die Maske hoch tun?“ und so ganz normal, machen es die Lehrer auch, aber das wirkt nicht nett wie sie das sagt.

 

Maurice: Annika, jetzt hast du schon ein bisschen erzählt, wie eure Lehrer mit euch sprechen. Die meisten sind freundlich. Eine reagiert nicht ganz so freundlich. 

 

Erzähl’ mir mal, wie finden denn Gespräche bezüglich Corona in eurer Schule statt? Habt ihr da Diskussionsrunden oder halten die Lehrer einen Vortrag? Wie sieht das bei euch aus?

 

Annika: Eigentlich reden wir da immer mit einem Lehrer darüber, damit wir nicht mit ihm so langen Unterricht machen, haben wir manchmal eine halbe Stunde darüber geredet. Aber der wiederholt sich irgendwie immer nur so. Was alle Leute sagen, sagt er auch noch mal, aber nur so „in lang“. Eigentlich reden wir in den Pausen oder so nicht miteinander.

 

Maurice: Kannst du kurz zusammenfassen, was dieser Lehrer sagt?

 

Annika: Der Lehrer sagt immer, dass die Maske schützt, dass die alle anhaben und das ist gut so und, dass die in China aufpassen müssten, weil sonst kommt irgendwie die 2.Welle wegen diesem Tiermarkt, dass die alle so nebeneinander liegen oder auch geschlachtet werden und dass das deren Schuld ist so gesehen.

 

Maurice: Oh, mir wird gerade irgendwie so ein bisschen übel.

Annika, wie findest du das, was dein Lehrer sagt?

 

Annika: Das ist irgendwie komisch wie er das sagt, weil es ist immer so unterschiedlich. Manche sagen, dass der irgendwie so entstanden ist. Manche sagen, dass der wegen China und so, wegen diesen Tiere da so ist oder noch irgendwas anderes, aber das ist komisch.

 

Maurice: Woher bekommst du denn deine Informationen bezüglich Corona? Recherchierst du selbständig? Bekommst du die Informationen von deiner Mutter?

 

Annika: Ja, eigentlich redet meine Mama immer darüber, aber im Radio hören wir das auch. Nicht, weil wir das wollen, sondern weil wir gerade Musik hören und dann kommen die Nachrichten.

 

Maurice: Ok, verstehe. Annika, hast du einen Wunsch?

 

Annika: Dass die Maske nicht mehr Pflicht ist. Nicht nur in Schulen, sondern auch in Geschäften oder so.

 

Maurice: Also, dass die Maskenpflicht aufgehoben wird.

 

Annika: Ja.

 

Maurice: Das wünsche ich mir auch. Ja.

Annika, gibt es noch irgendetwas, das ich dich nicht gefragt habe, was du gern noch erzählen würdest?

 

Annika: Ja. Letztes Jahr, glaube ich, wurde zu einem Trakt in der Schule extra wegen Feuer, für Feuersicherheit oder wie das heißt, da etwas drum gebaut.

 

Maurice: Brandschutz, oder?

 

Annika: Ja.

 

Maurice: Ok, super.

 

Annika: Da wurde das extra drum gebaut und da ist eine Tür, wodurch wir durchgehen und immer morgens, da quetschen sich alle durch und da sind wir direkt nebeneinander. Vorher haben die immer gesagt 

 

Abstand ist wichtig! Den müsst ihr einhalten!“, aber da interessiert es irgendwie keinen, wenn wir da direkt nebeneinander, alle Klassen durchgehen.

 

Maurice: Mhm. Und das sehen die Lehrer auch, dass ihr da so eng aneinander durchgeht?

 

Annika: Ja, weil die passen da immer auf, dass keiner vorher in die Räume geht und die gehen auch immer früher da hin, damit sie da nicht mit den anderen Schülern durchgehen müssen.

 

Maurice: Liebe Annika, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du die Kraft und den Mut gefunden hast, hier heute mit mir zu sprechen. Danke dir für deine Zeit. Es war ein ganz tolles Interview und jetzt wünsche ich dir für deine Zukunft erst mal alles Liebe und Gute.

 

Annika: Dankeschön dir auch.

 

Maurice: Ich danke dir.

Ich brauche Deine Unterstützung:

Schreib mir eine Mail mit Deiner Tel.Nr. wenn Du oder Dein Kind etwas zu berichten hat: mauricejanich@googlemail.com

Weiter benötige ich im Rahmen der Interviews finanzielle Unterstützer. Jeder noch so kleine Betrag ist ein großer Beitrag! Vielen Dank! 

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Herzlichst, Dein Maurice